Die Leere war nie wirklich weg - mit Robert

Shownotes

Menschen mit Borderline erleben Gefühle oft intensiver, Beziehungen häufig extremer und innere Leere oftmals schmerzhafter als andere. Nicht selten wird versucht, diese Gefühle zu betäuben – manchmal durch Alkohol, manchmal durch andere Strategien, die kurzfristig helfen, langfristig jedoch neue Probleme schaffen. In dieser Folge spricht Lars Tönsfeuerborn gemeinsam mit Dr. Christian Utler und Robert über seinen Weg mit Depressionen, Borderline und Alkoholsucht. Robert erzählt offen von dem Verlust seiner Mutter, dem Beginn seiner Depressionen, seiner Borderline-Diagnose, einer Suchterkrankung und den Herausforderungen, die ihn über viele Jahre begleitet haben. Dabei steht nicht die Diagnose selbst im Mittelpunkt, sondern die Frage, wie Borderline und Sucht zusammenwirken können. Warum entsteht dieses Gefühl von innerer Leere? Weshalb greifen manche Menschen zu Alkohol, um Gefühle zu regulieren? Und warum sind Rückfälle oft kein Zeichen des Scheiterns, sondern Teil eines langen Genesungsprozesses?

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00:00:01:

00:00:13: Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge Zu viel der Mental Health Podcast.

00:00:19: Mein Name ist Lars Tungsfeuerborn Und mit mir heute mein Kollege Christian, hallo Christian Hallo Lars Schön dass du da bist.

00:00:27: Wir haben heute zu Gast Robert.

00:00:30: Hi Robert.

00:00:31: Hallo Lars,

00:00:31: grüß dich!

00:00:32: Cool dass du da bist.

00:00:33: Du bist einundvierzig Jahre jung.

00:00:36: Ganz genau ja Sozialarbeiter

00:00:38: Richtig.

00:00:38: Und wir möchten heute über folgende Dinge sprechen Über Depressionen Borderline und auch Sucht.

00:00:47: Genau

00:00:48: Hier auch nochmal der kleine Hinweis Wenn jemand da sich getriggert fühlt Es geht heute auf jeden Fall um die Alkoholsucht Um Borderline wenn das Thema Dich überfordert dann solltest du die Folge es gibt.

00:01:01: Ja, es ist ja oft so dass Menschen irgendwie nur sehen okay da ist jemand der ist richtig der hat eine Sucht.

00:01:09: niemand guckt aber mal genauer dahinter niemand sieht den Schmerz der dahinter ist.

00:01:14: und darüber möchte ich heute auf jeden Fall oder möchten wir auf jeden fall mit dir sprechen.

00:01:20: Aber wir starten erstmal rein mit.

00:01:24: man hast du denn zum ersten Mal gemerkt, dass bei dir ja was ist?

00:01:31: Also ich glaube so ganz spezifisch ist das irgendwie schwer zu beantworten.

00:01:35: Jetzt einen genauen Punkt zu sagen... Ich würde es eher so beschreiben sich hatte immer das Gefühl als Kind oder vielmehr so als Jugendlicher oder junger Erwachsener habe ich für mich gemerkt mir geht es irgendwie nicht gut.

00:01:47: also ich habe irgendwie hab ich mich nicht so verhalten können und nicht so tun können wie andere das vielleicht getan haben Und konnte das für mich aber noch gar nicht so richtig irgendwie spezifizieren oder sagen, irgendwie genau dass und das ist es.

00:02:01: Oder ja, aber immer so ein latentes Gefühl sage ich mal von irgendwas stimmt nicht.

00:02:07: Und das war mir als erst Mal wirklich dann wirklich so bewusst wie gesagt so als Jugendlicher wo ich gemerkt habe okay irgendwie fallen mir Dinge anders schwer oder anders leicht als das andere tun?

00:02:22: Genau!

00:02:23: Du hast mir, wenn ich es jetzt richtig hab erzählt, dass du dann das erste Mal in Erfahrung mit Therapie gekommen bist?

00:02:29: Ja genau.

00:02:30: Also das war meine erste Therapiererfahrung dann, das war eine ambulante Therapie

00:02:37: die

00:02:37: fast aber gar nicht so richtig freiwillig gemacht habe.

00:02:39: Das war eher so ein Mittel meiner Eltern, die das wohl auch mitbekommen haben, dass das mit mir irgendwas vielleicht nicht ganz in Ordnung ist.

00:02:46: Die gesagt haben, du machst das jetzt mal und gehst da mal hin Und ich kann auch gar nicht genau sagen, ob daraus eine Diagnose entstanden ist oder so was.

00:02:54: Für mich war das erst mal irgendwie okay, ich fahre dahin und muss sprechen... ...und dieser Wert einer Therapie oder dieser Gespräche der war für mich in dem Moment gar nicht so richtig greifbar, sag' ich mal, sondern für mich war er auf ne Anti-Haltung noch unterwegs.

00:03:12: gesagt so was wollt ihr von mir, typisch jugendlich hätte ich fast gesagt.

00:03:16: Was soll ich da eigentlich machen?

00:03:17: Ist doch alles Tutti irgendwo und lass mich in Ruhe.

00:03:20: Also es war ein prophylaktisches Ding kann man schon fast sagen von deinen Eltern oder die einfach gesagt haben jetzt gucken wir mal was...

00:03:28: Ja!

00:03:28: Ich hatte so das Gefühl dass resultierte aus einer gewissen Hilflosigkeit sicherlich auch heraus weil ich auch sehr zurückgezogen oder niedergeschlagen oder eben auch sehr impulsiv in dieser Zeit gewesen bin.

00:03:39: und daher würde ich sagen war das so die Intention meiner Eltern zu sagen, der junge Brauchhilfe.

00:03:45: Wie lange ging diese Therapie?

00:03:47: Und wie hast du diese Therapien als junger Mensch erlebt?

00:03:49: Die Therapie ging ungefähr ein Jahr und am Anfang hatte ich wirklich ein großes Dagegengefühl.

00:03:57: Musste da immer hinfahren.

00:03:57: Das hat irgendwie etwas länger gedauert.

00:03:59: Das steht hier weiter... Und für mich war das eher so ein Termin, der mich irgendwie genervt hat.

00:04:05: Ich konnte halt nicht die Sachen machen, die ich machen wollte.

00:04:09: im Verlauf dieses Jahres allerdings fällt es mir schwer zu sagen was genau jetzt der Wert davon war aber ich bin gerne hingegangen oder lieber hingegang und hatte irgendwie auch mehr und mehr das Gefühl okay ich kann die Sache die mir angeboten wird nämlich einfach mal zu erzählen über was auch immer in irgendeinem vielleicht noch begrenzten Rahmen aber in einem Rahmen für mich nutzen.

00:04:32: Christian, wie ist das?

00:04:33: Therapie, junge Menschen.

00:04:35: Wenn die Eltern sagen du gehst jetzt mal hin... Also

00:04:37: ich glaube wir haben die Antwort schon so ein bisschen vom Robert gehört.

00:04:42: Warum sind denn die Eltern so besorgt also raus?

00:04:47: Ich war ja irgendwie ein bisschen anders.

00:04:49: Zum einen war ich sehr zurückgezogen zum anderen war ich auch sehr impulsiv.

00:04:53: und inwieweit hat es dann auf den Alltag eingezahlt?

00:04:57: konnte ich regelmäßig zur Stule gehen?

00:04:59: bin nicht da völlig weg gebrochen?

00:05:01: oder war ich schon in der Arbeit, wie hatte ich denn noch Beziehungen zu anderen Menschen?

00:05:06: Wie war das denn überhaupt?

00:05:08: und da scheinen sich die Eltern viel Sorgen gemacht zu haben.

00:05:12: Wenn es natürlich nur von den Eltern ausgeht und keine eigene so richtige Motivation ist dann braucht's einen langen Vorlauf.

00:05:19: aber über den Vorlauf gab's anscheinend einen Platz wo du zumindest mal das Gefühl hattest Ich werde gehört so wichtig heraus.

00:05:30: Ja, genau richtig.

00:05:31: Also das hat sich dann so für mich ergeben hätte ich jetzt fast gesagt also da konnte ich den Wert dann herausziehen.

00:05:38: aus einer Sorge raus resultierte das sicherlich und als Kind und Jugendlicher Das erste Mal dann in diesem Rahmen sozusagen neu über Gefühle zu sprechen, sage ich mal.

00:05:47: Also in diesem Therapiestatting über Gefülle zu sprechen?

00:05:50: Weil ich eigentlich so gelernt habe als Kind oder auch als Jugendlicher Gefühl ist das nicht richtig.

00:05:56: Es ist schwierig oder sollte unterdrückt werden... Deine

00:05:59: Gefühles

00:05:59: sind nicht

00:06:01: richtig!

00:06:02: Wenn du Angst hast, dann ist es nicht zu schlimm oder andere haben mehr Angst.

00:06:07: Wieso?

00:06:07: Das ist ja eigentlich nicht relevant und muss dich zusammenreißen wie auch immer

00:06:12: Genau.

00:06:13: So etwas, was jetzt bist du einundvierzig?

00:06:16: Was noch voll präsent ist?

00:06:19: Große Freie, was für Gefühle darf ich denn haben und was darf...

00:06:23: Eben richtig!

00:06:23: Da bin ich eben richtig,

00:06:25: dich

00:06:25: den richtig.

00:06:25: Ja genau das war so.

00:06:27: die Sache, die sich auch bei mir dann sehr eingeschlichen hat hätte ich fast gesagt also dass ich eine lange Zeit brauchte oder da sozusagen der Beginn war irgendwie, dass ich mit meinen Gefühlen auch okay sein darf Also diese eben nicht unterdrücken muss oder eben nicht funktionieren muss.

00:06:45: Genau, richtig und das war sozusagen der Anfang meiner Therapie Karriere.

00:06:49: allerdings ich bin jetzt ein viertzig damals war ich fünfzehn oder sechzehn.

00:06:53: Ich bin noch dabei.

00:06:54: Du hast ja dann auch gesagt die gingen einen.

00:06:56: Ja Dann war das Thema Therapier auch erst mal erstmal Adacta gelegt?

00:07:01: Oder also über einige Jahre.

00:07:03: und dann kam es aber zu einem einschneidenden Erlebnis in deinem Leben wo du deine Mutter verloren hast.

00:07:11: Was hat das mit dir gemacht, was hat das noch mal verändert bei dir?

00:07:15: Eine ganze Menge.

00:07:16: Das war ein sehr dramatisches Sterben der Mutter, es war eine schwere Erkrankung und es war auch gar nicht... Es war schon im Vorab irgendwie absehbar dass sie es nicht überleben würde.

00:07:28: und so dieser Prozessin irgendwie das schon zu begleiten sag ich mal.

00:07:33: Das Sterben von der Mutter war sehr einschneidend.

00:07:38: Das gleiche Thema wie eben sozusagen, dass ich nicht wusste wohin mit den Emotionen und Gefühlen dazu.

00:07:45: Der Wunsch irgendwie das in der Kernfamilie irgendwie zu teilen oder sowas... ...das ist nicht erfüllt worden so richtig?

00:07:51: Und ich hatte auch für mich aber auch die Werkzeuge oder Mittel... ...dass irgendwie in dem Wege für mich zu klären wo ich damit hin kann.

00:08:00: Das wusste ich einfach nicht, das konnte ich nicht!

00:08:03: Und genau als meine Mutter dann verstorben ist war es auch ganz schnell so Darüber auch nicht mehr gesprochen wurde.

00:08:11: Und auf diesen Zug sozusagen bin ich einfach auch aufgesprungen, also ich war... Ich weiß noch mal, meine Mutter ist einem Samstag verstorben und ich war am Montag wieder in der Uni und habe weitergemacht und hab irgendwie ja in dem Muster sozusagen funktioniert was ich kann, nämlich weitermachen und die Emotionen oder Gefühle, die damit verbunden sind eben möglichst nicht

00:08:35: zuzulassen.".

00:08:36: Wann fing es denn an, dass du gesagt hast okay da tut sich jetzt doch mehr auf.

00:08:42: Also weil daraus resultierte dann ja wirklich der Weg in die richtige Depression rein sofern ich das jetzt in Erinnerung

00:08:50: habe oder?

00:08:50: Genau richtig.

00:08:51: also das hat noch eine Zeit im wahrsten Sinne des Wortes funktioniert.

00:08:57: Das wo ich dann immer mehr und mehr gemerkt habe, dass ich nicht nur den Zugang zu jetzt Gefühlen wie Trauer über den Verlust oder auch Wut, was damit beigewiesen ist.

00:09:09: Dass es so ist wie es ist den verloren habe sondern alle anderen Emotionen immer weniger wurden und ich so innerlich ein Stück weit mitgestorben bin irgendwie und so durch den Tag gelaufen bin und gedacht habe ja ich mache hier so Dinge und tue die Dinge die so anstehen aber ich spüre sie nicht.

00:09:31: Ich fühle das nicht mehr weder Trauer, dann noch Freude und sonst irgendwie.

00:09:36: Und das war furchtbar anstrengend.

00:09:40: Da habe ich irgendwann gesagt, dass geht nicht mehr.

00:09:42: Ich kann nicht mehr!

00:09:44: Ich konnte mich auch nicht mehr konzentrieren.

00:09:46: Konnte auch nicht die Sachen, die für die Uni wichtig gewesen sind erledigen.

00:09:50: Ich konnte zwischenmenschliche Beziehungen ganz schwer halten.

00:09:54: Bin nicht mehr zum Training gegangen oder sonst irgendwie eine Habe vermieden, wo ich nur konnte um irgendwie zu Erholen davon.

00:10:02: Das hat nicht funktioniert.

00:10:04: Bist du dann von alleine zur Therapie gegangen?

00:10:07: Ja.

00:10:08: Also das, im Endeffekt wusstest du okay das hat schon mal in der Jugend irgendwie auch ganz gut funktioniert.

00:10:13: letztendlich da such ich mir jetzt nochmal die Hilfe

00:10:16: genau richtig.

00:10:18: ja wenn wir mal in diese Lehre auch reingehen gab es irgendwas wie du diese Lehren auch kompensiert hast.

00:10:26: ja dass ist so.

00:10:27: das wo ich die ersten was heißt die ersten das stimmt nicht aber die intensiveren oder exzessiveren Berührungspunkte dann auch mit dem Alkohol hatte.

00:10:38: Der Alkohl hat es in der Situation mir geholfen, klingt positiv war's an den Moment tatsächlich ein Stück weit auch fühlen zu können.

00:10:49: Ich konnte dadurch wieder irgendwie was spüren und das hat sich erst mal gut angefühlt, hatte aber ganz schnell immer die Tendenz eben auch in sehr destruktive Gefühle abzurutschen also implusive Wut in überschwängliche Traurigkeit, also die den Situationen einfach überhaupt nicht angemessen gewesen sind.

00:11:11: Was passiert da Christian?

00:11:15: Zudext mal wie du es beschreibst sind sie und Du hast es ja auch gesagt Lars sind klassische depressive Elemente die Du erlebt hast weil die ganzen Gefühle die eigentlich Du lange weggepackt hast, irgendwo haben die ihn der gearbeitet.

00:11:35: und was macht das System?

00:11:36: Das System macht unser System.

00:11:39: Macht erst mal irgendwie... Ich krieg's ausgehalten wenn ich irgendwie gar nix gefühl.

00:11:44: Das Gefühl der Gefühllöslosigkeit ist ja ein Überbegriff auch der soziale Rückzug Und was aber eigentlich nichts zu fühlen ist ja etwas quälendes und es ist natürlich was sehr Tolles Wenns dann irgendein Vehikel gibt bei dir den Alkohol, wo du das Gefühl hast.

00:12:03: Jetzt spüre ich mich wieder warum?

00:12:04: Weil der Alkohl anders wie auch bestimmte, sagen wir mal Angstlöser wie bestimmte Medikamente chemisch an deinen Botenstoffen, an deinen Nervenzellen.

00:12:17: was macht in bestimmten Arealen dass so ein Entspannungszustand kommt und der Entspanungszustands lässt zu, dass du wieder im Bewegung kommst Blöderweise bei dir, und das ist gern beim Alkohol so.

00:12:31: Gibt es dann kein so richtiges Level?

00:12:34: Es ist dann gerne ausschlagend viel zuviel von den meinen, viel zuviele Euphorie oder viel zu viele Aggressionen natürlich auch auf der anderen Seite eben auch viel zu viel Trauer.

00:12:46: also wenn wir sagen Alkohl ist ein Medikament, dann ist dieses Medikamente ... nicht gut dosiert gewesen bei dir, weil es so dann in den Gefühlen so ausschlägt.

00:13:00: Jetzt kommt noch was bei dir hinzu und da will ich versuchen gerade einmal so das... wie kam es denn?

00:13:07: Weil Borderline ja auch ein Thema ist.

00:13:09: Wie kam es zu dieser Diagnose?

00:13:13: Als

00:13:13: ich dann die muss ich so ein bisschen anschließen an das, was ich eben gesagt hatte.

00:13:17: Ich habe aber dann ja wie gesagt einen Therapie und bin aus dieser Therapie heraus sozusagen wieder in ... das normale Leben gestartet und habe auch so ein paar Sachen davon mitnehmen können, aber so richtig klick gemacht hat es noch nicht bei mir gehabt.

00:13:33: Und ich hab irgendwie dann gesagt ja... ...und habe dann aber jetzt in der Redruppperspektive für mich dann auch gemerkt, ich falle ganz schnell wieder so an die alten Muster zurück aus der Klinik heraus.

00:13:46: Dann ging es eine Zeit lang und dann ist aber sozusagen der gleiche Kreislauf wieder angegangen Und das hat sich dann erst mal lustigerweise irgendwie auch total richtig angefühlt.

00:13:59: Das ist was ich kannte, dass es die Gefühle möglichst weg, das war dann auch erstmal richtig so für mich und hab da noch gar nicht so richtig merken können, oh nee, Vorsicht!

00:14:11: Das ist jetzt der Weg ist falsch.

00:14:14: Genau uns... Ja, das hat dann wieder in die alten Muster geschlagen und ich war wieder an derselben Situation wie vor dem Klinikaufenthalt bin dann wieder in die Klinique gegangen und da ist dann eben die Diagnose mit dem Borderline auch gestellt worden.

00:14:28: Jetzt muss man dazusagen, Borderline... Ich mache jetzt mal auf ganz naiv.

00:14:33: ich kenne Borderline aus meinem Umfeld schon.

00:14:35: deswegen kann ich mich da ein bisschen aus aber mal ganz naif gesagt für vieles Borderline einfach nur dieses ich ritze mir den Arm oder sowas.

00:14:43: also dieses ich verletze mich selber.

00:14:47: Wir haben im Vorgespräch schon drüber gesprochen, Robert.

00:14:49: Dass du aus dem Jahr so eine Sucht zum Beispiel wie mit dem Alkohol und sowas.

00:14:54: Das bringen die wenigsten überhaupt in Verbindung mit so einer Krankheit?

00:14:58: Ja.

00:14:59: Christian, wie kann Borderline sich allgemein überhaupt auch zeigen?

00:15:03: Also was kann alles Borderline sein?

00:15:04: also das würde mich einfach mal interessieren oder besser gesagt auch mit Sicherheit die Leute draußen.

00:15:09: Also fangen wir nochmal beim Robert mit den Gefühlen an.

00:15:13: Los gegangen ist es irgendwie... So, dass du in einer Zeit wo du das eigentlich irgendwie lernen und trainieren solltest nämlich mit Gefühlen umzugehen.

00:15:25: In der richtigen Art und Weise, da hast du wenig Möglichkeiten gehabt.

00:15:30: weil er lernt hast Du, dass man Gefühle wegdrücken muss Das Gefühl nicht sein was also?

00:15:35: du hast also sozusagen eine lange Periode wo man sehr beweglich ist Nicht nutzen können mit gefühlen im positiven Sinne, aber auch in negativen und unangenehmen Gefühlen zu kommen.

00:15:48: Das heißt ich habe noch ein Film gesehen und da hat der Protagonist gesagt das Tolle ist an einer Espresso Maschine die hat nur Überdruckventil und ich als Mensch hab dieses Überdrucksventil nicht.

00:16:03: Also der hättest in dieser sehr beweglichen Phase, wo wir schnell lernen können.

00:16:08: Hättest du einbauen können dass du mit diesem Überdruckventil gut umgehen kannst das du es gut tunst und das ist wahrscheinlich so das Kernelement aus meiner Perspektive heraus bei einer Borderline Symptomatik nämlich dass Du mit den Spannungen die in Dir drin sind nicht adäquat zurechtkommst.

00:16:32: Eine Möglichkeit ist dann eben, dass der Druck runterkommt weil die Spannung sonst nicht weggeht.

00:16:38: Weil ich ja meinen Überdruckventil nicht gut in der Hand habe.

00:16:43: Das hab' ich nicht erlernt.

00:16:46: Dass ich mir zum Beispiel Schmerzen zufügen muss.

00:16:49: Dass sich vom Druck runter kommt und mich dadurch spüren kann.

00:16:54: Ein anderes ist natürlich, haben wir vorhin gesagt... typischerweise wie gehen Spannungen weg, zb durch Alkohol?

00:17:02: am Anfang wird die Spannung weniger Problem-Nebenwirkung ist.

00:17:07: Ich kann vielleicht dann mich noch weniger kontrollieren weil kleine Trigger noch mehr ausschlagen.

00:17:15: Dieses Wechselschild zwischen zu viel und zu wenig Spannungs Das ist eigentlich so das Kernelement in einer Borderline-Symptomatik.

00:17:25: Biografisch gibt es dann eine sehr gute Erklärung und als Kinder lernen wir das leicht, als Erwachsene haben wir viel längere Verläufe bis wir da ein bisschen mit unserem Ventil zurechtkommen und adäquate Mittel finden.

00:17:39: Bei dir hat sich ja das Ganze auch viel im Beziehungsleben gezeigt also da gab's ja auch aufs und abs.

00:17:47: letztendlich, wenn ich das jetzt richtig auf den Schirm hab vor allem auch so mit der ersten Ehe.

00:17:53: Da hast du ja sozusagen durch diese Diagnose der Depression die damals auch stattgefunden hat gemerkt dass es vielleicht nicht ganz das Richtige ist wie Du gerade lebst oder?

00:18:04: Genau richtig.

00:18:05: also für mich war das Credo ganz viele Sachen eben auszuhalten da durchzugehen.

00:18:11: Und was Christian eben gerade gesagt hat, dieses Schwanken zwischen Lehre und dann ist dazu viel.

00:18:20: Dass irgendwie unbearbeitet in einer Beziehung mitzutragen war für alle Beteiligten super anstrengend.

00:18:32: Ich hatte auch noch nicht die richtigen... Werkzeuge oder Möglichkeiten auch in Beziehungen, sei es jetzt zu meiner Ex-Frau oder auch in freundschaftlichen Beziehung und so etwas.

00:18:47: Ja ich sage mal für mich tatsächlich auch irgendwie einzustehen und zu sagen okay das brauche ich jetzt oder dass ist mir wichtig in einer Beziehungs-, oder dass das so möchte ich mein Leben gestalten.

00:19:01: Und das habe ich ganz oft nicht gemacht weil immer mit der Idee rumgelaufen bin.

00:19:08: Nein, ich muss dafür da sein!

00:19:10: Ich muss die Wünsche des anderen erfüllen und meine Energie dafür auffinden, dass das Leben so für den Anderen möglichst gut ist.

00:19:23: Das habe ich auch gemerkt, das habe ich glaube ich auch gewusst.

00:19:25: Immer wieder ein inneren Konflikt, der dann auch im äußeren Konflik natürlich bestanden ist wenn man sich gestritten hat... ... zu diesem Hin und Her gekommen, dann sozusagen irgendwie.

00:19:37: Und ich war nicht mehr im Gefühl... ...und auch einfach

00:19:41: totunglücklich."

00:19:42: Was ja auch spannend ist.

00:19:43: du bist Sozialarbeiter?

00:19:44: Ja!

00:19:45: Und hast dann auf diesem Wege... ...du bist ja nun mal damit.

00:19:49: also dein Job ist es ja auch eben anderen da zu helfen.

00:19:54: Und selber hast du dich dann da auf dem Weg verloren letztendlich?

00:19:59: Ja, und selber habe ich mich irgendwie verloren.

00:20:02: Ich glaube, ich bin sogar ein ziemlich guter Sozialarbeiter.

00:20:04: Ich mache das sogar ganz vernünftig.

00:20:06: aber für mich ist es auch eine Erklärung dafür warum ich das eigentlich gelernt und studiert habe.

00:20:12: also... kann es viel besser, mich im Außen um andere Menschen zu kümmern und zu gucken irgendwie was sind die Wege oder die Möglichkeiten, um Familienkinder oder wie noch immer eben zu unterstützen einen guten Weg zu finden.

00:20:26: Und das hält mich aber auch davon ab, mich um mich zu kümmern.

00:20:29: Schwierig ist es dann eben geworden so in den Momenten wo mir die Kraft einfach für diese ... ja ich nenn's jetzt tatsächlich mal eine Art Fassade die dann weggeblieben ist.

00:20:42: Und ich eben innerlich immer mehr zusammengesagt bin und mir die Energie dann eben komplett ausgegangen

00:20:47: ist.".

00:20:47: Ja das Phänomen finden wir ja immer wieder, Christian!

00:20:50: Wenn man sich um sich selbst nicht zu kümmern hat, man kümmert sich um andere... Das ist natürlich dann auch komfortabler weil man muss sich nicht über die Eigen- oder um die eigenen Probleme kümmern.

00:21:00: Was ist da eigentlich schon wieder mit uns los?

00:21:02: Naja

00:21:02: es hört sich ein bisschen so an in der Zeit wenn ich gut im Außen bin Ich muss mich selber nicht spüren, ich muss mich selbst nicht aushalten.

00:21:11: Ich muss meine eigene Scheiße gut abkapseln und zum Teil funktioniert das ja auch ganz gut.

00:21:23: aber... Es gibt immer wieder die Durchschläge, so wie wenn du ganz viele Korken gleichzeitig unter Wasser halten möchtest.

00:21:35: Dadurch dass du sehr im Außen bist es gelingt mir nicht auf Dauer.

00:21:39: irgendwann ploppt wieder einer hoch und dann hast du das Weil du es nicht so trainiert hast, ist das was damit verbunden ist.

00:21:46: Viel zu viel Gefühl oder Überforderung und dann kommt wieder sozusagen ich muss es irgendwie rückzug machen.

00:21:52: Ich muss ganz kalt sein und ich bin ganz durcheinander dort

00:21:54: durch.".

00:21:55: Ja genau also das ist dann eben immer der Punkt an dem's dann ja gehakt hat und gescheitert ist wieder ne?

00:22:02: Und das hat mich auch so in ... Das hat mich wahnsinnig gemacht!

00:22:08: wirklich wahnsinnig gemacht, weil ich irgendwie dachte, was ist denn los mit dir?

00:22:11: Irgendwie kann auch nicht sein dass das schon wieder so ist und wie gesagt, dass das richtige Mittel eben dann auf mich zu gucken.

00:22:18: Das war noch nicht so richtig gescheitet in der Zeit.

00:22:21: Und ich habe dann eben gesagt okay, ich lasse mich jetzt krank schreiben mache irgendwie vier Wochen Pause und dann geht es weiter so.

00:22:26: Dann kannst du wieder und so und ja, das hat so sagen wir mal semi funktioniert.

00:22:32: ...

00:22:35: auf das Borderline nochmal zu sprechen, zu kommen.

00:22:38: Was hat diese ... ... Diagnose-Borderline letztendlich mit dir gemacht?

00:22:44: Hat es eher geholfen?

00:22:46: Hatte es dir Angst gemacht oder was für Gefühle hat es ausgelöst?

00:22:49: Alle!

00:22:53: Puh!

00:22:53: Das ist echt schwerer zu beantworten.

00:22:56: Also dass auf der einen Seite tatsächlich ein gutes Gefühl ... ... weil ich das Kind irgendwie so'n Namen hatte.

00:23:02: ... konntest du die ganzen Gefühlsregungen und all dieses hin und her oder auch diese Lehre, das hat auf einmal einen Namen.

00:23:14: Und ich wusste mit dem was ich ja so zu tun habe.

00:23:16: Ich kann mich auch einmal ein bisschen einordnen sortieren... ...und hab auch eine Erklärung warum bin ich so wie ich bin in Anführungszeichen?

00:23:24: So habe ich das jetzt übersetzt.

00:23:26: Ja

00:23:27: genau richtig.

00:23:28: Also ich wusst dir jetzt okay dass das ist es.

00:23:30: Auf der anderen Seite war aber auch dabei ganz viel Widerstand.

00:23:34: Also ne, das kann nicht sein so.

00:23:36: Und das will ich nicht und auch eine ganze Menge Schiss weil die Diagnose Borderline für mich einfach auch so etwas ist wie oh nee da will man irgendwie nichts mit zu tun haben so nach dem Motto.

00:23:56: Ich habe mir in vielerlei Hinsicht Sorgen gemacht also alles was meinen privaten Bereich aber auch mein beruflichen Bereich tatsächlich irgendwie betrifft.

00:24:03: Das ist ja auch wieder so ein Ding, Christian.

00:24:08: Was ist das da?

00:24:09: auch die Betroffenen wieder sehr unter, ich sag mal, eine Panik oder dass es Angst auslöst?

00:24:15: Dass es Scham auslöst was ist das?

00:24:18: Ja du sprichst es ja gerade an sich ja auch Scham und meine Assoziation ist so bin ich denn jetzt bin ich Sozialarbeitung gleichzeitig bin ich Borderline, bin nicht eine ticking Zeitbombe explodiere ich mal, gibt es einen Schaden durch mich wie auch immer.

00:24:35: Also diese negativen Assoziationen dazu natürlich inwieweit bin ich jetzt verflucht?

00:24:41: also das hat natürlich irgendwas mit dem Selbstwert.

00:24:44: auf der einen Seite habe ich eine Erklärung aber es hat's natürlich erst was mit dem selbstwert zu tun und es braucht denke ich dann einen Weg bis sich mich konfrontier Und mir sagt ja gut, es ist so wie es ist.

00:25:02: Aber ich habe die Verantwortung damit zu leben und diese scheiß Verantwortung nimmt mir auch keiner ab.

00:25:09: Genau das tut mir irgendwie keiner.

00:25:11: Das ist wirklich etwas wo ich... Ich hab darauf gehofft!

00:25:17: so ein Stück weit, also auch in den Klinikaufenthalten tatsächlich irgendwie und dass ich da hingehe und jemand mir sagt, sodass und das machen sie jetzt.

00:25:25: Und dann wird es besser werden.

00:25:27: So und dieser Prozess sag' ich mal für mich selbst

00:25:32: a.)

00:25:32: Das erstmal zu akzeptieren überhaupt und

00:25:35: b.)

00:25:35: Dann auch irgendwie in die ja tatsächlich auch in die Aktivität wiederzukommen.

00:25:39: Also zu sagen okay Ich bin nämlich ausgeliefert sondern ich selbst habe Möglichkeiten Ja, dagegen was zu tun sage ich mal oder Wege zu finden irgendwie damit gut leben zu können.

00:25:51: Das hat gedauert das hat sehr lange gedauern.

00:25:54: Hast du denn so mini Mosaic Steine wo du sagst?

00:25:59: Das ist jetzt anders wie vor ein paar Jahren.

00:26:02: ZB, wenn ganz viel Druck da ist und ganz viel Spannung da ist, dass ich mich da jetzt anders spüre, dass sich das anders ausgehalten bekomme oder dass ich es anders regulier kriege.

00:26:13: So einen Zugriff auf was jetzt vielleicht anders ist als vor einigen Jahren?

00:26:20: Ja schon!

00:26:21: Ich habe das, was mir eigentlich immer gut hilft sind meine Skills, die ich gut nutzen kann... Das sind jetzt auch nicht unbedingt immer so die klassischen Kneten eines Balles oder so etwas, sondern bei mir sind es eben auch viel so gedanklich.

00:26:36: Oder vor allem auch körperliche Sachen.

00:26:37: Also mir hilft extrem Bewegung dann in den Momenten oder einfach raus in die Natur gehen tatsächlich und das sind schon mal die ersten Momente wo ich es viel besser hinkriege irgendwie sozusagen mich wieder runter zu regulieren.

00:26:52: Man nennt es bei Borderline ja immer so diesen Hochanspannungsbereich, in dem man eben nicht mehr so richtig handlungs- und gedankenfähig ist.

00:26:59: Aus dem wieder rauszukommen um dann auch wirklich der Situation entsprechend irgendwie auch reagieren oder handeln zu können.

00:27:07: Also übersetzt wenn man jetzt neurophysiologisch sagt dass du sagst wie kriege ich meine Parasympathikus?

00:27:15: den Entsparnungsteil, der über Alkohol geht.

00:27:17: Aber der zum Beispiel auch geht wenn du für dich die Natur spürst und dich da drauf fokussierst einen anderen Fokus kriegst oder über den Sport.

00:27:26: Wenn du dich dann spürest in der Bewegung dass dann der Anteil bei dir aktiviert wird.

00:27:33: Weißt Du jetzt?

00:27:34: Da kann ich meinen Entspannungsteile aktivieren.

00:27:38: Ja ganz genau um diese Anspannungen eben runterzukriegen in die Situation zu kommen, für sich selbst auch reflektieren zu können oder ich für mich selbst reflektiert zu können.

00:27:51: Was war es eigentlich genau?

00:27:53: Also was hat vielleicht auch so diese Hochanspannung oder diesen Anspannungszustand ausgelöst?

00:27:58: und da dann eben zu gucken dass ich immer wieder bin jemand Ich muss mich immer wieder auf meine eigenen Gefühle noch ein Stück weit hinstupsen oder braucht er einfach eine gewisse Achtsamkeit und Aufmerksamkeit dafür.

00:28:11: Was empfinde ich jetzt gerade Gut hinkriege, dann kann ich das auch benennen und kann irgendwie viel besser damit umgehen anstatt so ein ganzes Gewürf von Alben zu haben.

00:28:21: Auch in dem Sinne selbstverständlich.

00:28:24: bei mir ist es so angelegt wie es angelegt ist und manchmal explodieren die Gefühle.

00:28:28: aber auf der anderen Seite habe ich auch für mich Wirksamkeit.

00:28:32: Ich hab' auch mitunter die Gefülle unter Kontrolle.

00:28:37: ich kann sie halten, ich kann Sie aushalten.

00:28:40: Genau

00:28:40: Wie sieht denn dein Leben jetzt heute aus?

00:28:43: Also wir sprechen natürlich im Zusammenhang mit Borderline eben von der Alkoholsucht, die auch dabei ist.

00:28:50: Gibt es da immer noch irgendwie Rückfälle?

00:28:53: Gibt das da irgendwie die leeren Momente?

00:28:56: Wie sieht dein Leben geradeaus behandlungstechnisch auch?

00:29:00: was sind so deine Optionen gerade?

00:29:02: Ich bin grade nochmal in der Tagesklinik von der Baleara in Essen und Genau, das ist momentan mein Alltag.

00:29:10: Und ich bin da ja auch nicht ohne Grund.

00:29:12: also es ging mir eine ganze Zeit lang sehr gut damit was ich gerade erklärt habe.

00:29:17: so mit den gibt noch andere Möglichkeiten damit umzugehen sag' ich mal.

00:29:21: Es hat sich aber auch viel so im privaten dann nochmal verändert und die Umstände die dazu geführt dass ich wieder sehr in so einem Muster des Funktionierens und des Aushaltens unter Überlastung der Überforderungen gekippt bin.

00:29:34: Ich hatte tatsächlich einen Rückfall lange nicht mehr damit eigentlich zu tun gehabt.

00:29:40: Und das war für mich in dem Moment aber im wahrsten Sinne des Wortes der Rückpfeil, dass war für mir das Spüren gar nicht jetzt irgendwie okay ich habe getrunken sondern auch diese spüren.

00:29:50: ok ich stecke da wieder in einem alten Muster drinnen was mich wenn ich jetzt nichts tue wieder in die spirale bringen kann aber mit einer hohen Wahrscheinlichkeit bringen wird.

00:30:02: Jetzt muss sich etwas tun

00:30:03: schnell

00:30:05: Und deswegen war der Gang in die Tagesklinik für mich jetzt diese richtige Entscheidung.

00:30:10: Aber es ist ja auch ein Fortschritt zu wissen, du hast da an dem Punkt gemerkt, okay jetzt muss noch mal was gemacht werden einfach?

00:30:17: Ja zeigt auch dass man oder ich auch dazu tendiere.

00:30:21: über mehrere Jahre ging das gut und das ist schön gewesen so aber dieser Erkrankung ist trotzdem da immer irgendwie da, also die Alkohol sucht oder so.

00:30:32: Das sind chronische Erkrankungen, die gehen nicht einfach so irgendwie weg oder so.

00:30:35: das ist kein Schnupfen der auf einmal dann vorbei ist und das hat mir für mich jetzt nochmal gezeigt jetzt auch durch den Aufenthalt.

00:30:41: ich kann in vielen Situationen ganz normal leben sozusagen aber wobei dich es vernachlässige mich um die Diagnosen oder die Erkrankung oder sowas zu kümmern oder da die Achtsamkeit verliere dann wird es gefährlich für mich Genau, das ist einfach so ein ganz ganz wichtiger Aspekt den ich jetzt auch aus dem Aufenthalt mitnehme.

00:31:02: Im Sinne können wir das vergleichen eben auch mit vielen körperlichen Erkrankungen die chronisch sind wo ich eben chronisch vielleicht nicht nur einen Medikament nehmen muss sondern auch in vielen anderen Dimensionen meine Routinen leben muss auf mich gucken muss vielleicht bestimmte Dinge vermeiden muss wenn die Belastung zu hoch ist dagegen zu arbeiten.

00:31:26: und analog ist es bei dir.

00:31:28: Und dann letztendlich sind wir alle verführt, gerade wenn's gut läuft dass wir ein bisschen nachlässiger werden das wir vielleicht unsere Pausen, unsere Routinen wo du das trainierst ich mach den Sport oder ich gehe in dem Wald Ich mache mir zehn Minuten bewusst.

00:31:48: Das wird jetzt nach so einem Aufenthalt wieder sehr gut funktionieren.

00:31:53: Dann ist die große Frage, wie kriegst du es eingebaut in den Tagesablauf und wie kriegest du es gehalten?

00:32:00: Das ist sozusagen immer eine Herausforderung.

00:32:03: Ich finde ein letztes natürlich... Du sagst Druckfahrt, du sagst dasselbe, das ist natürlich ein sehr, sehr hartes, harter Begriff.

00:32:11: Es hat dir angezeigt, du hast es als Chance genommen.

00:32:13: Es hat mir angezeigt ich habe mich wieder vernachlässigt Ja, ganz klar.

00:32:19: Und du hast aber insofern war es ja ein sehr schönes Signal was du aufnehmen konntest und ja wohl früher aufnehmen könntest?

00:32:27: Ja und ich konnte das auch Gott sei Dank für mich so... Ich schäme mich dafür!

00:32:33: Ich schähm mich für diesen Rückfall und ich schämen mich auch für den Konsum oder die Erkrankung.

00:32:41: Aber dieses Schamgefühl kommt dann immer mal wieder hoch Gelingt es mir gerade aber auch durch ein stabiles Umfeld tatsächlich, dass diese Schamgefühle einfach auch ... oder dass ich die Chance habe sie auch konstruktiv dann nutzen zu können für mich und eben zu sagen gut das geht jetzt weiter.

00:32:59: Und kann jetzt etwas tun damit das nicht schlimmer wird.

00:33:04: Das ist einfach ein gutes Gefühl.

00:33:05: Welche Rolle spielen denn auch stabile Beziehungen?

00:33:09: Also freundschaftlich, aber auch partnerlich.

00:33:12: Gerade beim Thema Borderline und Sucht welche Rolle spielen die?

00:33:16: Ich denke dass sie sehr große Schutzfaktoren natürlich sind, aber das kann uns der Robert viel besser erklären als jemanden der zum Teil stabile Beziehungen wahrscheinlich gespürt gelebt hat und zum Teil eben nicht was inwieweit es einzahlt.

00:33:34: Es sind definitiv Schutzfaktoren, instabile Beziehungen die ich erlebt habe sozusagen.

00:33:41: Das ist immer verbunden oder ist verbunden gewesen mit ganz viel Vorsicht und ganz viel... Ich darf nicht sagen wie es mir geht!

00:33:50: Ich kann jetzt schlecht sagen wir gehen schlecht.

00:33:52: Weil da passiert

00:33:52: was dann ist vielleicht die Beziehung weg?

00:33:54: Dann gibt's Beziehungsabbruch, darum muss sich wieder Versade aufsetzen.

00:33:58: Genau richtig, dann gehen die Leute das ist so die Erfahrung wenn ich sage ne oder Sachen hoch, die dann aus dem Krankheitsbild irgendwie in dem Moment unpassend sind oder so etwas.

00:34:10: Und dann ist die Erfahrung, dann gehen die Leute so und das zu erleben jetzt in einer Beziehung irgendwie dass ich so sein kann wie ich bin sag' ich mal und trotzdem ich hundert Goldstücke wert bin eine Wertschätzung verdient haben.

00:34:34: Das ist unglaublich wertvoll, weil gerade in den Phasen wo es mir eben nicht so gut geht kann ich mir diese Wertschätzungen nicht geben.

00:34:42: und

00:34:43: das wäre der Unterschied zum Kent wo die Gefühle gehören zu dir nicht sein durften?

00:34:48: Und der Unterschied jetzt in einer stabilen Beziehung schau mal her!

00:34:53: Ich habe diese Gefühlen, ich bemühe mich aber dass sich die in der richtigen Dosis zeige und Verantwortung dafür übernehme dass ich das letztendlich so mache, dass die Beziehung hält.

00:35:08: Genau genau und diese Möglichkeit... also gab es oder glaube ich gibt es grundsätzlich aber für mich gab's die halt und ich bin unendlich dankbar dafür, dass sich die hab ergreifen können.

00:35:20: Das hat mir eventuell sogar das Leben gerettet.

00:35:25: Und damit sind wir schon am Ende der Folge?

00:35:27: Das ging aber jetzt ratzfatz in dieser Folge.

00:35:30: Aber ich finde ganz wichtig, welche Botschaft möchtest du zum einen gerne Menschen mit Borderline und Suchterkrankungen mitgeben?

00:35:38: Und Christian darf da aber auch noch mal auf der Frage rumdenken.

00:35:42: Welche Botschaft er mitgeben will?

00:35:44: Also ich glaube dass es ganz ganz wichtig ist die Akzeptanz.

00:35:48: das ist so.

00:35:50: für mich war's ein langer Prozess, aber letztendlich wars die Akzeptanz ja auch die Möglichkeiten bitte Erkrankung oder in Therapien wirklich was bewirken zu können, dass die den Boden sozusagen dafür gibt.

00:36:03: Und zu akzeptieren ja das gehört jetzt zu mir und das ist nichts was ich bekämpfen muss so nach dem Motto sondern es ist ein Teif von mir aber es gibt ganz viele Mittel und Wege irgendwie damit umzugehen.

00:36:16: Ich glaube der nächste Schritt ist dann auch zu sagen okay ich darf mir auch erlauben so zu sein und darf mir vor allem auch erlauben eben Hilfe zu holen.

00:36:26: Sei es jetzt die professionelle aber vielleicht einfach auch nur jemanden zu bitten, mal vorbeizukommen.

00:36:31: Und ich glaube diese innere Erlaubnis ist so ein Türöffner, dass man dann in seiner Verletzlichkeit, der diese Erkrankung mitbringt, dass das ganz viel Verbundenheit und Nähe schaffen kann.

00:36:44: Es gibt Menschen die ähnliche Erfahrung gemacht haben, aber auch Menschen, die diese Erfahrung nicht gemacht haben trotzdem da sind.

00:36:57: Robert hat da so viele Kernempfehlungen oder Bilder gebracht, wo ich fast nichts hinzufügen möchte.

00:37:08: Vielleicht mir ist sehr geblieben das mit der Charme vor allem was du gesagt hast.

00:37:12: und wenn es natürlich ein bisschen gelingt trotz der Charm mich zu zeigen Ich habe das und ich brauche Hilfe, dann ist natürlich schon mehr wahrscheinlich wie die halbe Liebe.

00:37:30: Die Mitte erreicht, wenngleich es unglaublich schwer ist.

00:37:35: Ja was wir daraus mitnehmen können ist auf jeden Fall dass Borderline weit mehr ist als das Klischee, was viele kennen.

00:37:42: in unserer Gesellschaft Sucht natürlich irgendwie auch häufig der Versuch des Schmerzen zu regulieren oder etwas zu unterdrücken Und Rückfälle gehören Zu diesem Weg dazu, um zu sich selber zu finden und vor allen Dingen auch um zu lernen damit umzugehen.

00:37:58: Und Stabilität entsteht eben auch auf diesem Weg nur Schritt für Schritt.

00:38:03: Ich denke das Wichtige ist es nicht immer nur diese Lehre die man da verspürt zu bekämpfen sondern erstmal auch anzufangen damit zu verstehen woher diese Lehren denn eigentlich kommt.

00:38:15: dann kommt man auch auf den Weg würde ich behaupten.

00:38:18: In diesem Sinne vielen Dank, dass du dabei warst.

00:38:21: Dass du so offen gesprochen hast, deine Geschichte mit uns geteilt hast und ich wünsche dir nur das Allerbeste!

00:38:27: Danke

00:38:28: ebenso!

00:38:29: Danke Christian!

00:38:30: Danke an euch!

00:38:32: Bis zum nächsten Mal.

00:38:33: Anlaufstellen und Hilfsangebote rund um das Thema seelische Gesundheit findet ihr natürlich in den Show-Notes Und wenn es euch gefallen hat dann lasst doch gerne mit der Bewertung da oder drückt die Abo Glocke Dann verpasst ihr keine Folge mehr.

00:38:50: Zu viel, der Mental Health

00:38:51: Podcast

00:38:52: wurde dir präsentiert von Valéara.

00:38:58: Posted by

00:38:59: Last Hands Feuerborn.

00:39:01: Simone Hoffmann

00:39:02: und Dr.

00:39:02: Christian Utler.

00:39:04: Produktion Last Hands Feuerborn.

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