Vielleicht war es nie nur die Depression - mit Marc André
Shownotes
Was passiert, wenn eine Diagnose aus der Kindheit zwar bekannt ist, aber nie wirklich verstanden oder verarbeitet wird? In dieser Folge spricht Lars Tönsfeuerborn gemeinsam mit Simone und Marc-André über seinen langen Weg mit ADHS und Depressionen. Bereits in den 1980er Jahren erhielt Marc-André eine ADHS-Diagnose – zu einer Zeit, in der das Wissen über die Erkrankung noch begrenzt war und viele Zusammenhänge noch nicht verstanden wurden. Viele Jahre funktionierte das Leben scheinbar. Doch vor rund 20 Jahren schlichen sich erste depressive Symptome ein. Lange wurden diese Belastungen nicht als psychische Erkrankung erkannt. Erst als die Herausforderungen im Berufsleben zunahmen und die Erschöpfung immer größer wurde, begann die Suche nach professioneller Unterstützung. Heute blickt Marc-André auf einen intensiven Behandlungsweg zurück – von der Tagesklinik über psychiatrische Betreuung bis hin zur spezialisierten ADHS-Fachklinik. Dabei entstand eine wichtige Frage: War die Depression vielleicht nie das eigentliche Problem, sondern eine Folge eines jahrzehntelang unverstandenen ADHS?
Akute Hilfe Notruf 112 – bei akuter Lebensgefahr sofort wählen. Telefonseelsorge: 0800 – 111 0 111 oder 0800 – 111 0 222 (kostenfrei & anonym, rund um die Uhr erreichbar) Chat-Beratung: www.telefonseelsorge.de
Suizidprävention Nummer gegen Kummer (für Kinder & Jugendliche): 116 111 Hilfetelefon Depression: 0800 – 33 44 533 Infos & Hilfsangebote: www.suizidpraevention-deutschland.de
Psychische Gesundheit allgemein www.valeara.de – Infos zu Kliniken & Therapieangeboten www.deutsche-depressionshilfe.de www.psychenet.de – Informationen zu psychischen Erkrankungen & Hilfsangeboten
Für Angehörige Nummer gegen Kummer – Elterntelefon: 0800 – 111 0 550 Austausch & Infos: www.familiencoach-depression.de
Transkript anzeigen
00:00:03:
00:00:13: Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge zu viel der Mental Health Podcast.
00:00:17: Mein Name ist Lastens Feuerborn, mit mir sitzt heute hier Simone.
00:00:21: Hallo
00:00:22: Lars!
00:00:23: Und wir haben heute Marc zu Gast.
00:00:26: Hallo.
00:00:28: Wir freuen uns, dass du da bist!
00:00:31: Wir möchten heute mit dir über das Thema ADHS und Depression sprechen.
00:00:36: Du bist Betroffener und vor allen Dingen was das ADHS angeht... ...das ist bei dir schon relativ früh rausgefunden worden in den Achtzigerjahren wenn ich mich richtig erinnere oder?
00:00:49: Ja es ist richtig.
00:00:49: also mit der Ende der Achtzeigerjahre wurde dann festgestellt, dass ich ADHS habe.
00:00:56: Weil ich bin wirklich über Tische und Bänke wie meine Mutter sagte und war überhaupt nicht irgendwie zu ... ja, zu steuern so ein bisschen.
00:01:05: Und meine Mutter ist damit mir tatsächlich von Arzt zu Arzt.
00:01:10: Irgendwann waren wir mal bei einem Arzt und der sagte also wenn ein Kind ADHS hat, dann ihr es!
00:01:19: Wie hast du das damals als Kind wahrgenommen in der Zeit?
00:01:22: Für mich war das ... Ja, ich hab schon gemerkt.
00:01:25: Ich bin anders als die anderen Kinder auch gerade so.
00:01:27: im Kindergarten war mir das schon bewusst aber ansonsten war das erst mal ... War das halt erstmal
00:01:35: so?
00:01:35: Wusstest du dann, als das Thema da war, wusstest Du denn was damit anzufangen in Sinne von?
00:01:41: also hat man dir das dann auch besser erklärt.
00:01:43: oder war es einfach nur ja das Kind hat jetzt ADAS und fertig ist?
00:01:47: Also es war tatsächlich einfach so, dass zu der Zeit ADHS halt eher das war ... Der kann nicht still sitzen.
00:01:54: Der kann sich nicht konzentrieren und Punkt mehr auf mehr hat man da sogar nicht die Aufmerksamkeit gelegt.
00:02:01: tatsächlich mein Gefühl jetzt heute wenn ich heute daran zurückdenke Und auch meine Mutter und meinen Vater haben immer gefragt Ja was können wir denn machen?
00:02:10: Und alle haben immer gesagt ja was jeder jetzt machen können Da können wir ihn jetzt auch nicht helfen.
00:02:14: dann müssen sie selber mal gucken
00:02:15: Simone, was denkst du?
00:02:16: Welche Auswirkungen kann es haben wenn Kinder früh das Gefühl bekommen dass mit ihnen irgendwas nicht stimmt oder dass da irgendetwas anders ist.
00:02:24: Also jetzt müsste ich gleich mal Marc sagen ob das stimmt.
00:02:28: aber ganz pauschal auf diese Frage geantwortet würde ich sagen wenn Kinder sehr früh das gefühl haben mit ihnen ist etwas anders oder sie sind nicht richtig bleibt dieses Gefühl per se erstmal ein Leben lang und man ist immer bemüht die Dinge richtig zu machen Obwohl man gar nicht weiß, wie sie denn eigentlich richtig sind.
00:02:47: Also das heißt dahinter steckt ganz häufig dann glaube ich ein großer Leistungsdruck weil sich der oder die Betroffene immer mühe gibt, die Dinge richtig zu machen.
00:02:57: So eine unsichtbare Agenda.
00:02:58: irgendwas ist richtig.
00:02:59: vielleicht treffe ich's
00:03:01: War das so bei dir?
00:03:02: Ja das passt schon.
00:03:04: also das ist auch tatsächlich heute noch so.
00:03:08: Ich habe immer noch immer wieder das Gefühl, irgendwas stimmt nicht mit mir.
00:03:12: Ich bin nicht richtig so wie ich bin.
00:03:15: Bin das Problem?
00:03:16: Ich muss mich anpassen und ja... Das ist ...mitunter sehr schwierig auch für den Kopf.
00:03:28: Ja, das glaube ich total!
00:03:28: Für
00:03:29: dein Rest des Körpers
00:03:29: auch?!
00:03:31: Ja tatsächlich auch, ja.
00:03:33: Das beeinflusst letztendlich auch dass Das Selbstwertgefühl im vollen Umfanger.
00:03:39: Und das hat sich ja dann wahrscheinlich bei dir auch bis ins Erwachsenenalter hingezogen, oder?
00:03:44: Welches Selbstwert-Gefühl?
00:03:47: Ja.
00:03:48: Kenne ich nicht, hab' ich nicht!
00:03:50: Also... Auch wenn mir zum Beispiel meine Therapeuten sagen, oh, das war aber gut, dass sie das geschafft haben, empfinde ich nicht so weil ich ja immer gelernt habe, das ist das Normale und das muss jeder können.
00:04:04: Und deswegen ist das für mich überhaupt nicht irgendwie was Besonderes, wenn ich dann mal etwas geschafft habe.
00:04:11: Weil ja, können andere ja auch also muss sich das ja auch können.
00:04:15: Andere loben sich dafür auch nicht.
00:04:17: Also darf ich das dann auch nicht?
00:04:20: Wir haben im Vorgespräch drüber gesprochen dass natürlich bei dir dann als du glaube ich in einem jugendlichen Alter warst kam dann auf durch dieses ADHS deinen Eltern sozusagen unterstellt wurde, dass sie irgendwas falsch machen in der Erziehung und da wurdest du von zu Hause rausgenommen.
00:04:38: Ja also das Jugendamt hat meinen Eltern tatsächlich mit Sorgerechtentzug gedroht wenn Sie mich nicht in eine Einrichtung geben weil ich bin ja so misraten Und das sind ja alles Erziehungsfehler.
00:04:52: Das hat sich auch da tatsächlich dann in der Einrichtung so ein bisschen durchgezogen, weil die Betreuer meinten, er kann lesen und auf Gameboy-Spielen konzentrieren.
00:05:00: Der kann kein ADHS haben!
00:05:03: Das wurde dann abgesprochen.
00:05:04: Dann haben wir eh gesagt, das ab einem gewissen Punkt hieß es ja jetzt hast du keinen ADHS mehr ne?
00:05:10: Das kam ja auch später noch hin zu.
00:05:12: wie war das?
00:05:13: Ja mit achtzehn ne weil das ist eine reine Kindererkrankung und deswegen mit acht Zehn ist der ADHS vorbei und dann existiert er so.
00:05:22: Kennst Du sowas noch Simone?
00:05:25: Ich weiß nur ich habe kürzlich ein Buch gelesen die Botanik des Wahnsinns.
00:05:29: Titelautor weiss ich gerade leider nicht Und da beschreibt der Autor.
00:05:34: Der hat selber eine Geschichte, also eine familiäre Geschichte mit Psychiatrie, also Psychiatrierefahrung und versucht in der Retrospective herauszufinden was war mit meiner Familie aber versucht auch gesellschaftlich zu schauen.
00:05:48: wie war denn das?
00:05:50: Also ab wann haben wir eigentlich begonnen Menschen sozusagen so klassifizieren als ganz früher?
00:05:58: halt ist ein Verrückter oder so.
00:06:01: Diese Geschichte beschreibt er sehr schön.
00:06:02: Also es ist ein durchaus lesenswertes Buch, finde ich.
00:06:05: und dann kommt der an die Stelle wo er sagt naja und da gab's in den ich weiß nicht mehr genau ich glaub achtziger Jahren waren in Deutschland über Nacht Millionen Menschen geheilt weil plötzlich in dem Katalog wo Krankheiten definiert werden mit denen man braucht für Diagnosen Krankenkassen usw.
00:06:23: Die Diagnose Homosexualität rausgenommen wurde.
00:06:25: also wann über Nacht so beschreibt der das Millionen Menschen plötzlich Gesund!
00:06:30: Ja.
00:06:31: So und so kommt mir das jetzt eben auch vor, du bist achtzehn?
00:06:34: Mit achtzehnt hast du einfach diese Probleme nicht mehr... Wie hast denn du das dann weiter wahrgenommen?
00:06:38: weil es wurde zwar abgesprochen aber dir war ja klar dass ist er jetzt nicht weg.
00:06:43: Ja also wie gesagt ich habe ja immer nur gewusst was genau ADHS ist hab' ich ja nie wirklich gewusst.
00:06:51: das weiß ich ja jetzt erst seit kurzem wirklich.
00:06:55: für mich war ADHS immer eher so Ja, ich kann mich halt schlecht konzentrieren und ... ja, still sitzen über längeren Zeitraum ist manchmal auch recht schwierig.
00:07:08: Aber was da eigentlich so alles hintersteckt bei ADHS?
00:07:12: Das hab' ich ja nie wirklich gewusst.
00:07:14: Ich habe ja auch nie wirklich so dahingehend Therapie bekommen wie ich sie jetzt heute habe.
00:07:22: Wie ich sie aber eigentlich als Kind schon gebraucht hätte um das besser zu verstehen, um damit besser leben zu können und damit besser umgehen zu können.
00:07:30: Und ja vielleicht nicht diese Problematik zu haben die ich jetzt heute habe.
00:07:37: Neben Adidas spielt in deinem Leben die Depression eine Rolle?
00:07:41: Wie lange würdest du sagen spielt sie schon eine Rolle in deinm Leben?
00:07:45: Also jetzt zurückblickend eigentlich so seit gut zwanzig Jahren So mehr oder weniger seitdem mir gesagt wurde, ja ADHS haben sie jetzt nicht mehr.
00:07:57: Das ist kein ADHS.
00:07:59: Mir wurde dann auch mal gesagt ich hätte Borderline, wo aber heute wirklich mir Therapeuten in der Klinik gesagt haben, nee, das ist völliger Quatsch!
00:08:13: Das ist komplett ADHS und das hat nichts mit Borderlines zu tun.
00:08:18: Ich könnte mir auch vorstellen, dass ADHS sich genommen nicht zu einer Depression führt.
00:08:25: Aber die Tatsache, dass man mit ADHS so umgegangen wird... Übrigens Christian würde an der Stelle sagen, ADHS ist kein Aufmerksamkeitsdefizit-Zyndrom sondern er würde sagen es ist ein Aufmerksamkeits-Kanalisierungsproblem.
00:08:43: also es gibt viel zu viele Eindrücke.
00:08:45: Da stimme ich total zu, da stimme so was von zu.
00:08:49: Geht ja nicht um Defizit sondern eher im Gegenteil du nimmst halt zuviel wahr...
00:08:54: Weil das sind diese zwanzigtausend Taps, die man im Kopf offen hat.
00:08:58: Genau.
00:08:58: Und irgendwo spielt die Musik von Tetris und man weiß nicht wo.
00:09:02: Das finde ich als eine sehr schöne Umschreibung.
00:09:06: Irgendwo
00:09:06: spielt die Music von Tet... Aber es trifft es so gut!
00:09:13: Ich bin froh, wenn ich mein Frühstück einfach flüssig schaffe in der Küche ohne dass fünfzig weitere Aufgaben nebenher schaffe, dann weiß ich einfach okay das war ein guter Start schon mal.
00:09:26: Ja genau und Das führt zur Depression dass du nicht weißt wo kommt die Musik von Tetris her beziehungsweise Du vielleicht eine Tetris-Musik hörst andere die aber vielleicht nicht hören also du ständig das Gefühl hast irgendwas mit mir stimmt nicht Die Welt da draußen funktioniert.
00:09:40: aber also Ich glaube nicht adhs.
00:09:42: also das müsstest du jetzt besser sagen?
00:09:45: Ich glaube Nicht adhS als solches führt zu einer depression sondern wie wir die ausagieren können oder eben nicht aussagieren und dass wir da häufig in einem Gap sind zu unserer Außenwelt.
00:09:58: Also ich glaube, direkt das ADHS hat keine Auswirkungen auf die Depression gehabt haben, das glaube auch.
00:10:08: Ich gehe eher davon aus, dass die Depression dadurch entstanden ist weil mir ja von Anfang an gesagt worden ist, und dadurch, dass ich dann halt sehr schnell auch gelernt habe mich selber abzuwerten.
00:10:22: Mich selbst in diese Abwertungsspirale zu bringen ... Ich glaube das ist eher der Grund für die Depression weil auch das tue ich heute noch Dass sich mich selber Abwerte häufig Weil ich zum Beispiel halt wie gesagt ich bezahl eine Rechnung Und meine Therapeutin sagt super haben sie geschafft.
00:10:43: und in meinem Kopf ist aber ja aber Das machen neunzig Millionen andere Menschen auch Rechnungen bezahlen und die werden dafür nicht gelobt.
00:10:50: Und das ist nicht richtig sich dafür zu loben, weil das ist normal, dass es selbstverständlich.
00:10:56: Und dann kommt mein Kopf der dann sagt ja du bist einfach nur so dumm dafür.
00:11:00: Du kannst das einfach nicht.
00:11:01: Du bist einfach zu dämlich.
00:11:03: Du bis inkompetent.
00:11:05: Du kannst das alles nicht?
00:11:08: Ich glaube, das ist eher
00:11:10: der Hintergrund... Das ist der lange Weg wo du auch da noch vorstehst zu sagen du musst erstmal ... diese kleinen Erfolge zu schätzen wissen, dann auch... ... diesen Selbstwert zu finden mit der Zeit.
00:11:21: Aber das ist ein langer Weg und da darf man sich auch nicht unter Druck setzen.
00:11:25: Das bringt ja am Ende auch nichts.
00:11:27: Das glaube ich auch.
00:11:28: aber es ist halt...
00:11:30: Für dich fühlt sich gerade so an, dass wird eh nicht passieren.
00:11:32: also das ist der Punkt.
00:11:35: Wie hat sich denn die Depression in den zwanzig Jahren?
00:11:39: Wir müssen dazu sagen wirklich Ein Namen hat das Kind noch gar nicht so lange jetzt in deinem Leben.
00:11:47: Also, es ist ja eher dass das lange so im Dunkeln tapte was bei dir los ist.
00:11:52: wir kommen jetzt gleich drauf zu sprechen wie das alles diagnostiziert wurde.
00:11:55: aber wie hat sich das im leben so angefühlt mit der eigentlich Nichtdiagnostizierten Depressionen?
00:12:02: also dass da irgendwie depression sind?
00:12:04: das war mir eigentlich schon irgendwo klar.
00:12:10: Wie gesagt, damals wurde mir dann erst mal angedichtet.
00:12:12: Ich hätte Borderline also eine Borderline-Störung.
00:12:16: damit wurde das dann erst erklärt und irgendwann sagte dann jemand so sie haben da schon auch Depressionen Und da sollten wir vielleicht auch mal medikamentös gegenwirken.
00:12:30: Wann war dass?
00:12:31: Das war Anfang Mitte der zweitausender während meiner ersten Ausbildung Und da hatte ich dann eine sehr gute Neurologin, die tatsächlich damals ein bisschen anders geschaltet hat und gesagt hat halt Stopp Moment.
00:12:49: Nee, Borderline ist das nicht!
00:12:52: Da ist irgendwas anderes... Die hat auch häufig lange Gespräche mit meiner Mutter geführt Und meine Mutter ihr dann so ein bisschen halt auch aus meiner Kindheit erzählt und da war für sie dann definitiv klar, nie.
00:13:08: also Borderline ist das definitiv nicht.
00:13:10: Das is was anderes.
00:13:12: ADHS war ja zu der Zeit immer noch so, das kann's ja eigentlich nicht sein.
00:13:19: Also nennen wir jetzt ganz Depression.
00:13:21: Kommen wir aber mal zu dem Punkt wo bei dir sich letztendlich im Leben etwas verändert hat?
00:13:30: Und das war jetzt eigentlich letztendlich, also du warst im Job ganz normal in der Arbeit.
00:13:35: War es im Pflegeberuf?
00:13:37: Ja.
00:13:38: Also theoretisch bin ich noch im Pflegeberuf.
00:13:41: Ich bin von einer Ausbildung für Altenpfleger und arbeite in einer Phänomologie im Krankenhaus mit beatmeten Menschen.
00:13:52: Und da ist dann jemand auf dich zu gekommen?
00:13:56: Genau!
00:13:56: Das war vor... ... zweieinhalb Jahren, ich habe zu der Zeit auf einer Intensivstation gearbeitet bei uns im Haus.
00:14:03: und dann sagte meine Stationsleitung du pass auf.
00:14:08: Chefin kommt gleich vorbei wir müssen uns mal unterhalten.
00:14:11: für mich war dann sofort klar alles gleich kriegt die Kündigung weil meine Laune sind ja wieder so miserabel.
00:14:18: also hattest du schon Vorerfahrungen in die Richtung?
00:14:20: Ja
00:14:21: Ja, also ich hab ne Zeit lang im außerklinischen Intensivbereich auch gearbeitet.
00:14:26: Das heißt bei den Patienten zu Hause... ...ja jedes Mal wenn halt meine Depressionen zu stark wurde und meine Launen dann unerträglich waren, habe ich die Kündigung übergeregt, bin nicht rausgeflogen.
00:14:44: Also war für mich in dem Moment dann auch klar ja alles klar, ich krieg die Künigung.
00:14:48: Das ist natürlich auch super traurig, da will ich einmal kurz rein.
00:14:53: Man arbeitet im Pflegeberuf, wo natürlich auch viel mehr Verständnis sein sollte.
00:14:57: Jetzt klar... Da muss man jetzt mal ohne die Werbetrommel zurück, aber bei Valera er achtet ja auch sehr auf eure Mitarbeiter.
00:15:05: Aber es ist schon ein Phänomen oder?
00:15:07: Also wie schnell dann Leute da auch fallen gelassen werden und wie schnell sowas abgestempelt wird, Simone, oder?
00:15:14: Ich kann die Erfahrung so ... tatsächlich nicht teilen, auch mit meinen vorherigen Arbeitsstationen.
00:15:23: Ich persönlich aber immer wieder – ich höre natürlich auch immer wieder solche Geschichten und als diejenige, die auch an der Spitze in einem Unternehmen ganz oben steht muss ich natürlich auch den Spagatschaffen zwischen «ich» dafür sorgen, dass unsere Mitarbeiter in ihrer Balance sind.
00:15:41: Dann muss ich als Arbeitgeber auch aushalten, dass das vielleicht nicht immer auf High Performance geht und auf der anderen Seite muss ein Arbeitgebers ja aber auch sagen okay wir können jetzt hier nicht alle nur in die Entspannung gehen.
00:15:53: Du hast halt gleichzeitig die wirtschaftliche Brille
00:15:56: auch aus.
00:15:57: Also das braucht es und in bestimmten Situationen... also das Pendel darf nie lange nur in eine Richtung kippen.
00:16:06: Ich glaube, das ist für niemanden gut.
00:16:08: Weder für den Mitarbeiter noch für die Kollegen, noch für den Arbeitgeber?
00:16:12: Da stimme ich dir total zu!
00:16:13: Also ohne Frage... Ich kann auch die Pflegedienste bei denen ich da war total nachvollziehen und total verstehen.
00:16:21: Ich war einfach tatsächlich mit meiner Depression und meinen Launen tatsächlich untragbar.
00:16:27: Das kann ich schon auch nachvollzielen Ohne Frage.
00:16:32: Umso mehr freut es mich natürlich, dass meine jetzige Pflegedirektorin dann vor zweieinhalb Jahren zu mir kam und sagte... Für mich war klar sie bringt mit die Kündigung und dann kam, war ihre Aussage so... Nein ich will nicht kündigen!
00:16:46: Ich will wissen was los ist, ich will wissen wo das Problem is'.
00:16:49: Und dann habe ich gesagt ja meine Launen sind das Problem.
00:16:52: und dann fragte sie mich nur... oder sagte sie... und jeder sagt das müssen Sie abstellen?
00:17:00: Und wer hat ihn gezeigt und erklärt, wie das funktioniert?
00:17:03: Ich sage keiner.
00:17:05: Wie wollen sie das dann können?
00:17:06: So was muss man lernen!
00:17:08: Das dauert bis man sowas lernt.
00:17:10: Ich finde super dass Sie offen mit Ihrer Depression umgehen.
00:17:12: also ich bin in der Klinik ganz offen mit meiner Depression umgegangen.
00:17:17: meine Kollegen aus Stationen wussten alle Bescheid.
00:17:20: Ich war eine Zeit lang bei mir an der Klingel.
00:17:22: wir sind auch psychiatrisches Krankenhaus Und da hatte ich mir dann mal einen Termin geholt und ich konnte meine Termine tatsächlich in der Pia auch während der Arbeitszeit wahrnehmen.
00:17:34: Also, da habe ich totale Unterstützung wirklich bekommen.
00:17:40: An dem Tag sagte halt meine Pflegedirektorin, wie ich versetze jetzt erstmal von der Intensivstation wieder auf die Peripherastation und wir nehmen erst einmal ein bisschen Druck raus weil... Ich war ja nicht nur Pflegekraft, ich war ja noch Gerätebeauftragter und Praxisanleiter.
00:17:55: Warum auch noch mit einem zufriedengeben?
00:17:57: ist ja genug Energie eigentlich da, dachte ich.
00:18:00: Ja und dann auf der Peripherstation wurde es aber tatsächlich nicht besser.
00:18:05: Es wird eher schlimmer tatsächlich.
00:18:08: und dann hat sie vor zwei Jahren zu mir gesagt so, das tut mir leid, aber Sie gehen jetzt bitte rüber lassen sich krank schreiben weil wenn ich sie so weiter arbeiten lasse verletze ich meine Fürsorgepflicht als Arbeitgeber So hart sich das jetzt anhört.
00:18:22: Ich weiß, dass ist ein völliger Schlag ins Gesicht aber sie sind jetzt erst mal kaputt.
00:18:26: Wie ist es bei dir angekommen?
00:18:27: und vor allem wie schwer war's dann den Schritt zu gehen?
00:18:31: Sich dann Hilfe nochmal auch anzunehmen?
00:18:33: also im ersten moment die ersten ... anderthalb Wochen war natürlich mein innerer Kritiker total glücklich, weil der hat gefeuert bist und geht nicht mehr.
00:18:44: Indem man mir die ganze Zeit vorgehalten hat du bist so dumm, du kannst die Pflegekraft... Du kannst nicht als Pflegekräft arbeiten.
00:18:51: Du kannst das alles gar nicht!
00:18:53: Du hast das ja sowieso immer nur vorgespielt.
00:18:55: irgendwann kriegt es auch einer raus dass du das überhaupt nicht kannst also dieses Hochstapler-Syndrom.
00:19:01: Und irgendwann hab ich dann aber noch mal mit meinem Pflegedienstleiter auch gesprochen und der sagte, wenn du Hilfe brauchst beim Hilfesuchen sagt mir Bescheid.
00:19:15: Dann habe ich nach zwei Wochen ihm gesagt, ich schaff das nicht.
00:19:19: Ich merke, ich brauche Hilfe, aber ich weiß nicht wohin weil das Thema stationäre Klinik war.
00:19:27: für mich ... sofort ging da bei mir die Panik hoch, weil als ich damals Anfang der zweitausender in der Klinik war, hieß es ja immer hier.
00:19:37: Der muss ruhiger werden und dann wurde ich ruhig gestellt mit Medikamenten immer zwischendurch auch oder auch während des Zeitraums Und das war absolut grauenhaft für mich und das wollte ich auf gar keinen Fall.
00:19:49: und hat er dann gesagt Ja wie wär's denn mit einer Tagesklinik?
00:19:54: Ich weiß nicht sagt der Versuch ist ich telefoniere mal rum Und dann hat er halt bei Valera angerufen in Essen und die haben dann sofort gesagt, ja alles klar.
00:20:04: Nächste Woche kann er zum Aufnahmengespräch kommen und in vier Wochen haben wir einen Platz für ihn.
00:20:11: Wie schwer war der Schritt dieser Anruf?
00:20:14: Ich brauche Hilfe beim Hilfesuchen.
00:20:17: Das war verdammt schwierig mir das einzugestehen.
00:20:22: ich komme damit alleine nicht zurecht und vielleicht haben ja doch so ein paar Leute recht, dass ich Hilfe brauche dabei.
00:20:34: So Hilfe zur Selbsthilfe nennt man das ja im Medizinischen.
00:20:40: und ja das war schon sehr schwierig mir selber auch einzugestehen okay Ich bin so krank Dass ich meinen Job nicht mehr machen kann Und ich muss jetzt wirklich mal mich auf mich konzentrieren.
00:21:01: Und ja, das war schon nicht einfach.
00:21:05: vor allem die Zeit auch in der Klinik war komisch weil ich war ja dann auf einmal auf der anderen Seite.
00:21:11: Ja das glaube ich!
00:21:12: Das denken Sie nämlich auch und es ist ja auch wieder spannend obwohl man aus dem Job kommt und auch Menschen erlebt dass man selber sich dann gerne wieder mal nach hinten stellt.
00:21:24: oder warum ist das so?
00:21:25: Entweder sich gerne nach hinten stellt, respektive.
00:21:28: Oder Scham hat auf die andere Seite zu gehen, wo man die ganze Zeit ja sehr selbstverständlich mit den Menschen zu tun hat und niemals sagen würde, du musst dich jetzt aber schämen dass du auf der anderen Seite bist.
00:21:39: War Scham war mit Sicherheit auch ein Thema oder?
00:21:43: Ist das immer noch... Also auch heute kommt es noch teilweise hoch, dass ich mich schäme dafür, dass Ich so krank bin, Dass ich meinen Beruf nicht mehr machen kann.
00:21:56: Wie erlebst du denn jetzt, also ... Du hast dich für die Tagesklinik entschieden.
00:22:00: Wie erlebst du den Alltag mit der Tagesklinge?
00:22:04: Also ich muss ganz ehrlich sagen... Die Zeit in der Tages-Klinik das ist jetzt auch schon zwei Jahre her, dass sich in der Tagessklinique war.
00:22:12: Das war schon genauso anstrengend als wenn nicht acht Stunden selber auf Station gearbeitet hätte so.
00:22:18: Also das war verdammt anstrendend!
00:22:21: Nicht nur für den Kopf auch bzw.. Vorrangig natürlich im Kopf anstrengend.
00:22:27: Aber diese Anstrengung im Kopf, die hat sich auch sehr schnell und stark auf den Körper gespiegelt... Ja klar!
00:22:34: ... sodass ich dann wirklich, wenn nicht nachmittags, nachhertagsklinik nach Hause gegangen bin, ich war fix von alle.
00:22:38: Ich war richtig platt danach.
00:22:41: Du hast mir dann erzählt, war das während der Tagesklinik oder danach?
00:22:46: Es gab diesen Moment wo noch mal so ein Koppelpunkt mit ADS und Depressionen aufkam.
00:22:52: Wo...?
00:22:53: Nee, das war letztes Jahr während der Reha-Klinik.
00:22:58: Ah genau du bist also nur um das mal einmal noch chronologisch zu halten?
00:23:01: Du bist in der Tagesklinik gewesen.
00:23:03: wie lange warst du in der Tagess Klinik?
00:23:05: Acht Wochen!
00:23:06: Acht wochen danach warst Du erstmal wieder Zu Hause und bis dann auf Reha gegangen.
00:23:13: Genau ich muss ja erst den Antrag stellen bis es dann bearbeitet war und die Wartezeit?
00:23:18: hat sich das dann alles leider etwas hingezogen?
00:23:22: gibt halt nicht genug Plätze
00:23:23: Ja.
00:23:24: Oder zu viele kranke Menschen für so wenig Plätze leider?
00:23:29: Wartezeiten haben wir einfach allgemein viel zu viel in diesem Land, gerade was
00:23:33: das Thema angeht.
00:23:33: Vor allen Dingen gerade im psychiatrischen und psychologischen Bereich haben wir viel zu lange Wartezeiten weil jetzt mal eben kurz außerhalb meines Themas aber wie viele mit schwerer Depressionen gehen wirklich den letzten Schritt?
00:23:50: Weil sie die Wartezite nicht mehr aushalten können?
00:23:52: ... und den wirklich dann diesen finalen Schritt.
00:23:56: Ich weiß jetzt nicht, ob ich das
00:23:57: jetzt so sagen darf... Also da wissen alle, worum es geht.
00:24:00: aber
00:24:01: natürlich ist das ein Hauptthema und das thematisiere ich ja auch immer sehr viel in der Öffentlichkeit wo wir einfach arbeiten müssen.
00:24:08: was für eine Reha war das denn, die du gegangen bist?
00:24:11: Ich war in Bad Fredeburg in der Fachklinik Hochsauerland.
00:24:17: Das war wirklich sehr schön da auch wirklich gut für die Depression tatsächlich, aber ich war halt erst in einer ganz falschen Gruppe.
00:24:28: Ich bin dann nachher noch in die oder.
00:24:30: nach den ersten paar Tagen wurde ich dann in eine andere Gruppe versetzt mit wo es um Depressionen und Emotionsvermeidung ging weil ich sehr gut gelernt habe meine kompletten Emotionen komplett zu verdrängen und gar nicht so wirklich zuzulassen, eher dieses Maskäreverhalten.
00:24:53: Und die hatten dann eine Gruppe für ADHS auch ... Ich hatte da auch gefragt, ob man vielleicht noch mal eine ADHS Diagnostik machen könnte.
00:25:03: Die wurde dann auch gemacht, das wurde dann da auch nochmal bestätigt.
00:25:07: In dieser ADHS-Gruppe in der Klinik ... kam dann so die Erkenntnis, weil ich hab da gesessen und habe gedacht zum Moment... ... kenne ich, kenne Ich kenne.
00:25:22: Und dann habe ich die Therapeutin da gefragt, könnte das eventuell sein dass das Ganze hier damit zu tun hat, dass mein ADHS nicht vernünftig behandelt wird?
00:25:33: Und dann war von ihr nur die Aussage, das ist sehr wahrscheinlich.
00:25:37: Dann habe ich mir gedacht, toll!
00:25:39: Ich dachte, ich hab kein ADHS mehr.
00:25:40: Außer vielleicht, dass ich mich nicht so gut konzentrieren kann.
00:25:44: und ja dann habe ich mich aber auch auf die Suche tatsächlich gemacht und hab dann die Fachklinik gefunden in der ich jetzt zuletzt war bis Mitte Mai.
00:25:55: Und da muss ich wirklich sagen, da habe ich So viele Erkenntnisse gewonnen und so viel auch gelernt Tatsächlich Und bin jetzt definitiv sicher, dass... Entschuldige jetzt die vulgäre Aussprache.
00:26:12: Aber das ist die ganze Scheiße, die in den letzten zwanzig, fünfzehnzig Jahren in meinem Leben passiert ist,... ...dass das alles damit zu tun hat weil mein ADHS nicht vernünftig behandelt worden ist oder weil es keiner behandeln wollte, konnte, weiß ich jetzt nicht.
00:26:27: Du hast einfach jetzt eine Erkenntnis erlebt letztendlich, die ja schon sehr lebensverändernd auch dann ist in dem Punkt?
00:26:35: ...
00:26:37: lebensverändert, da arbeite ich noch drauf hin.
00:26:40: Im Sinne von du hast einen Moment gehabt wo du sagst ach jetzt macht es Sinn?
00:26:46: Ja auf jeden Fall das habe ich tatsächlich in der Klinik gemerkt.
00:26:51: okay... Das war wirklich krass im ersten Moment und aber auch dann so die anderen Mitpatienten dann auf meiner Station dann da wirklich zu erleben Die ähnliche Problematiken hatten ähnlichen Erfahrungen gemacht haben und dann da tatsächlich verstehen, was in meinem Kopf los ist.
00:27:11: Und natürlich auch die Ärzte und Therapeuten, die sich in dem Thema sehr gut auskennen.
00:27:16: Teilweise weil sie sogar selber Betroffene sind von ADHS – das hat echt ungemein geholfen wirklich!
00:27:25: Aber es hat viel zu lange gedauert definitiv, aber umso schöner dass es in diesem Prozess kommt einfach auch?
00:27:35: Ja, ich meine der Prozess fängt ja jetzt erst richtig an weil in der Klinik habe ich jetzt sozusagen das Handwerkszeug bekommen und jetzt muss ich halt lernen das in mein Leben zu integrieren und umzusetzen.
00:27:46: Und gerade auch so was die Abwertung und dass angeht da nicht immer auf die falschen Grundannahmen zuschauen die mir mein ganzes Leben lang eingetrichtert worden sind sondern da wirklich mal zu gucken Stimmt das denn überhaupt?
00:28:04: Und was spricht denn so dagegen, dass ich wirklich zu viel bin.
00:28:17: Was sprich dagegen?
00:28:20: und bestes Beispiel ist eigentlich... Das meinte zumindest meine Therapeutin in der Klinik.
00:28:26: Der Sohn von meiner besten Freundin ist Autist.
00:28:30: Der kommt zu mir, nimmt meine Hand aus dem Schoß raus, krabbelt auf meinen Schoßen.
00:28:35: Rollt sich da ein und fängt an der anderen zu schlafen oder zu kuscheln.
00:28:39: Und wo mir meine Therapeutinair klinkt, dann sagt er das macht kein Autist wenn sie zu viel sind.
00:28:45: Das passt überhaupt nicht dazu.
00:28:48: Ja umso schöner einfach auch dass du jetzt solche Erfahrungen machen kannst und es führt auch dazu, dass natürlich der Selbstwert dadurch auch wieder steigen kann.
00:28:59: Ich hoffe es sehr, dass der Selbstwert steigt.
00:29:03: Weil er ist lange genug kaputt gemacht worden von außen und ich will das jetzt auch nicht mehr dieses Abwerten.
00:29:14: aber der Kritiker ist leider immer noch zu
00:29:17: stark.
00:29:18: Da wäre ich nämlich jetzt auch welche Hoffnung weil du hast gesagt was in den letzten zwei Jahren sich verändert hat darüber haben wir gesprochen.
00:29:24: du hast jetzt auch gesagt gesagt, was du so aus deiner Zeit aus der ADIS-Fachklinik mit rausnimmst.
00:29:32: Welche Hoffnung sind für die Zukunft jetzt letztendlich so da?
00:29:36: Also ich bin ja seit letztem Jahr ausgesteuert und habe jetzt mit dem Arbeitsamt telefoniert und gesprochen dass ich gerne eine Umschulung machen möchte zum Pflegeberater.
00:29:48: Da wurde mir auch gesagt das können sie gerne machen weil medizinische Dienst vom Arbeitsamt gesagt hat, ja arbeitsfähig.
00:29:56: Ja aber nicht mehr in der Pflege am Bett was für mich aber auch in der Fachklinik tatsächlich sich schon raus kristallisiert hat dass so die direkte Arbeit am pflegebett nicht mehr so das Richtige ist.
00:30:10: und mit dem pfleggeberater bin ich halt trotzdem noch in den mitjederin aber habe wesentlich etwas entspannter hoffentlich weil der stressen der druck nicht mehr da ist Und ich hoffe einfach jetzt erstmal, dass das gut läuft und gut funktioniert.
00:30:27: Wie mir ein toller Mitpatient in der Fachkrieg gesagt hat, Baby Steps.
00:30:33: Einen Schritt nach dem anderen.
00:30:35: Oder Baby Step?
00:30:36: Das haben wir jetzt glaube ich über viele Folgen auch gelernt, dass Baby Step's einfach super, super wichtig sind.
00:30:43: Simone was können Menschen tun wenn sie das... ... Gefühl haben, über Jahre irgendwie auch sich verloren zu haben.
00:30:52: Überhaupt irgendwie den Weg verloren zu... ...haben weil ich finde du hattest lange Jahre nicht das Bewusstsein.
00:31:00: was ist es jetzt?
00:31:01: oder wo muss ich hin?
00:31:02: Natürlich ist das eine, sich selbst kennenzulernen in Gesprächstherapien.
00:31:08: Man merkt ja auch an deinem Vokabular, dass du sehr Therapie erfahren bist und da auch viele Mechanismen kognitiv absolut verstanden hast.
00:31:15: aber das eine ist zu verstehen und das andere im wahrsten Sinne des Wortes zu verkörpern.
00:31:21: Das ist
00:31:23: verdammt schwierig.
00:31:24: also das zu verstehen ist das kleinere Problem.
00:31:27: Aber das, um in die Umsetzung dafür zu kommen.
00:31:30: Das ist sehr schwer!
00:31:32: Und ich glaube für die Umsetzung also dann... Ich verändere ab sofort meinen Verhalten.
00:31:38: Braucht es, glaub' ich, Nervensystem dass das mitmacht?
00:31:41: Also ein Nerven-System, dass diese schöne Regulation zwischen Anspannung und Entspannungen wieder versteht, dass nicht ständig in so einem Alarmmodus ist von wegen, ich bin falsch hier ist all... Ich muss mich schämen so Dafür braucht es häufig ein Gegenüber, dass dir signalisiert in meinem Raum bist du sicher hier kann dann dein Nervensystem runterfahren.
00:32:08: Ich finde das Bild von dem Autistischen Jungen der in deinem Schoß liegt sehr berührend.
00:32:19: Ich mir vorstelle, dass das auch dein Nervensystem total beruhigt hat in dem Moment.
00:32:24: Auf jeden Fall!
00:32:24: Das wird nämlich nicht nur Seins gewesen sein und ich glaube solche Momente bewusst zu kreieren führt dazu, dass du immer öfter das Gefühl erlebst, ich bin richtig weil das Nervensystem runterfahren kann.
00:32:38: mit anderen Worten also kurzer Antwort um solche Erfahrungen zu verkörpern umzusetzen braucht... Also um solche Erfahrungen die wir kognitiv machen Umzusetzen braucht es erst die Verkörperung.
00:32:51: Es braucht erst den Körper, der auch versteht.
00:32:54: Ach so!
00:32:54: Es läuft jetzt anders ich bin nicht mehr im Stressmodus.
00:32:57: Das ist Körpertherapie das ist natürlich klar wenn ich jetzt wieder beim Atem.
00:33:02: aber dass alles etwas was es braucht damit das gesamte System und das System besteht eben aus mehr als nur in einem für einen stechenden Kopf auch aus mehr also nur der Seele das ganze System muss verstanden haben.
00:33:16: Gefahr ist vorbei
00:33:17: absolut
00:33:19: Definitiv.
00:33:19: Und das und deswegen also kurze Antwort, ich könnte jetzt auch sagen können, kurze antwort was braucht es hätte ich sagen können Körpertherapie zum Beispiel aber das wäre dann jetzt vielleicht ein bisschen zu verkürzt gewesen.
00:33:28: aber ich glaube das sind Dinge die wirklich helfen und da gibt es ja ganz ganz ganz viele.
00:33:33: Da gibt es Ergotherapie, da gibtes Gestalttherapies, da gibts Kraniosakraltherapy, Osteopathie alles mögliche wo Körpertherapeuten eben quasi Seelentherapien ausschließlich über den Körper machen und das ist eine sehr, sehr entspannende heilsame Erfahrung.
00:33:53: Davon habe ich noch nie was gehört aber das hört sich sehr gut an.
00:33:56: vielleicht hast du da gleich mal noch ein paar mehr Tipps für mich.
00:34:00: Ich würde dir sehr gerne sagen!
00:34:02: Und damit sind wir schon am Ende der Folge Was möchtest Du Leuten daraus nochmal so aus Deiner Erfahrung heraus mitgeben?
00:34:10: Gibt es noch irgendwie einen Satz, ne Botschaft?
00:34:14: Ja auf jeden Fall Gebt euch Zeit.
00:34:20: Das dauert, das braucht Zeit aber das ist auch in Ordnung dass es diese zeit braucht weil das hat sich über jahre hat sich das aufgebaut in euch oder in einem und das kann nicht innerhalb von sechs Monaten dann wieder weg sein.
00:34:38: das funktioniert nicht.
00:34:39: gebt euch die zeit.
00:34:42: wirklich versuchen baby steps zu machen funktioniert bei mir auch noch nicht so immer.
00:34:49: Aber
00:34:50: auch das ist in Ordnung, weil es kann nicht sofort alles funktionieren.
00:34:56: Das dauert einfach bis man das vernünftig umsetzen kann oder bis auch das Verständnis dafür da ist wie ich es umsetze.
00:35:04: Da habe ich jetzt auch noch so meine Probleme mit.
00:35:07: Ich bin jetzt seit knapp vier Wochen aus der Klinik zurück und Ich habe zu Hause noch die Hilfe für ambulant betreutes Wohnen, was dabei echt gut helfen kann.
00:35:20: Ab nächste Woche hab ich wieder APP das ist Ambulanz Psychiatrischer Pflegedienst der da auch unterstützend wirken kann.
00:35:29: sucht euch Hilfe nehmt die Hilfe an.
00:35:31: ihr habt ein rechter drauf ihr müsst es nicht alleine hinkriegen.
00:35:36: das und alleine hinkriegen funktioniert sowieso nicht.
00:35:39: Dann geht es nur sehr weiter in die Abwertung, in den Abwärtsspiralen.
00:35:45: Und wir ADHS-Lar sage ich jetzt mal oder generell Menschen mit psychischen Erkrankungen, wir brauchen einfach Unterstützung dabei um aus dieser Abwärtsspirale eine Aufwärzspirale machen zu können.
00:35:58: Das sind schöne letzte Worte!
00:36:01: Ich fasse nun nochmal zusammen.
00:36:04: endet nicht mit der Kindheit, das ist uns allen bewusst.
00:36:07: Depressionen sind natürlich auch mal die Folge jahrelanger Überforderung.
00:36:11: Hilfe anzunehmen kann der Beginn eines neuen Verständnisses für sich selbst sein und es ist nie zu spät die eigene Geschichte neu zu betrachten.
00:36:20: Und manchmal verändert nicht eine neue Diagnose das Leben sondern die Erkenntnis dass man sich selbst Endlich besser verstehen kann.
00:36:28: und damit vielen Dank dass du zu Gast warst.
00:36:30: Marc
00:36:30: Danke euch
00:36:31: und danke für deine Geschichte.
00:36:33: Und danke Simone, schön dass du dabei warst.
00:36:35: Danke euch beiden!
00:36:36: Bis zum nächsten Mal.
00:36:38: Anlaufstellen und Hilfsangebote rund um das Thema silische Gesundheit findet ihr natürlich in den Shownotes und wenn es euch gefallen hat dann lasst doch gerne mit der Bewertung da oder drückt die Abo Glocke dann verpasst ihr keine Folge mehr.
00:37:05: Simone Hoffmann und Dr.
00:37:07: Christian Utler Produktion Last Chance
00:37:10: Feuerborn.
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