Auch Familie kann zu viel sein - mit Alina

Shownotes

TW: Gewalt

Es gibt einen Satz, den viele nie aussprechen dürfen: „Meine eigene Familie war zu viel für mich." Für Alina wurde genau dieser Satz nach Jahren zur Wahrheit, die sie annehmen musste, um sich selbst zu schützen.

Lars Tönsfeuerborn, Christian und ihr Gast Alina sprechen über Adoption, ungleiche Behandlung von Geschwistern und den Weg zum bewussten Kontaktabbruch – und darüber, warum auch die eigene Familie „zu viel" sein darf.

Akute Hilfe Notruf 112 – bei akuter Lebensgefahr sofort wählen. Telefonseelsorge: 0800 – 111 0 111 oder 0800 – 111 0 222 (kostenfrei & anonym, rund um die Uhr erreichbar) Chat-Beratung: www.telefonseelsorge.de

Suizidprävention Nummer gegen Kummer (für Kinder & Jugendliche): 116 111 Hilfetelefon Depression: 0800 – 33 44 533 Infos & Hilfsangebote: www.suizidpraevention-deutschland.de

Psychische Gesundheit allgemein www.valeara.de – Infos zu Kliniken & Therapieangeboten www.deutsche-depressionshilfe.de www.psychenet.de – Informationen zu psychischen Erkrankungen & Hilfsangeboten

Für Angehörige Nummer gegen Kummer – Elterntelefon: 0800 – 111 0 550 Austausch & Infos: www.familiencoach-depression.de

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00:00:03: Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge Zu viel der Mental Health Podcast.

00:00:19: Mein Name ist Lars Thuns Feuerborn

00:00:21: Und

00:00:22: ich darf heute meinen Kollegen Christian begrüßen, hallo Christian?

00:00:26: Hallo Lars!

00:00:27: Wir haben ein Gast hier heute und das ist Alina.

00:00:30: Hallo schön dass du da bist.

00:00:31: Dankeschön

00:00:33: Ja, die meisten reden immer von außen ist alles zu viel.

00:00:36: Wir möchten aber heute mal darüber sprechen wie es ist wenn's von innen und zwar von der Familie auch zuviel werden kann.

00:00:43: Ja Alina magst du?

00:00:45: Mal so ein bisschen vielleicht auch von dir erzählen zu beginnen was dich hier her geführt hat und vor allen Dingen was dich auch bewogen hat deine Geschichte bei uns zu erzählen.

00:00:55: Mhm ja ich fang mal an und ihr unterbrecht wenn euch etwas detaillierter interessiert.

00:01:00: Ja, ich bin Alina.

00:01:02: Ich komme hier aus Düsseldorf.

00:01:04: so viel erst mal vielleicht zu den Rahmendaten.

00:01:07: Bin in einer festen Partnerschaft mit einer Frau.

00:01:09: da kommen wir später ja bestimmt auch noch zu dem Thema.

00:01:13: Ja, genau.

00:01:14: Was hat mich bewogen hierhin zu kommen?

00:01:16: Ich kenne euren Podcasts seitdem du den angefangen hast.

00:01:19: ich meine las ist ja jetzt nicht ganz unbekannt bei Instagram.

00:01:23: man kennt sich auch im Düsseldorfer Stadtbild mal an der einen oder anderen Stelle.

00:01:27: Dementsprechend habe ich das ganz interessiert mitverfolgt was ihr für ein Projekt auf die Beine gestellt habt und hab gedacht wenn es das vor ein paar Jahren in dem Ausmaßschon gegeben hätte das wäre glaube durchaus eine Hilfe für mich auch gewesen, weil meine Reise mit mentaler Gesundheit jetzt schon einige Jahre geht.

00:01:49: Ja mittlerweile ist das Thema ja zum Glück ein bisschen freier besprechbar aber bis vor ein paar Jahren war es ja undenkbar.

00:01:55: und genau deswegen habe ich gedacht ich komme mal hierhin und teile ein bisschen meine Story.

00:02:01: Ja vielen Dank dafür, dass du bereit bist deine Geschichte mit uns zu teilen.

00:02:05: Wir gehen da auch mal rein.

00:02:06: und zwar du bist mit zweieinhalb Jahren aus Rumänien adoptiert worden.

00:02:10: Dein Bruder war zwei Jahre vor dir schon durch die Adoption nach Deutschland gekommen in deine Familie gekommen.

00:02:16: was weißt Du noch von der Ausgangssituation damals?

00:02:20: ... relativ

00:02:22: wenig.

00:02:22: Genau, aber... Das ist sehr klein.

00:02:24: Ja natürlich!

00:02:25: Also

00:02:26: Rumänien ist ja sehr viele Jahre in Diktatur gewesen und hat Cececo eben noch länger auch als die Sowjetunion selber bestanden hat.

00:02:35: Ceceko wurde dann von den Rumänen selbst gestürzt.

00:02:40: Und dann ging die Bilder um die Welt wie die Kinderheime aussehen und wie desolat die Zustände da einfach sind das die Kinder Ja, wirklich extrem auch vernachlässigt sind und dringend Hilfe benötigen.

00:02:53: Also weil nicht nur das Land runtergewirtschaftet war sondern unter anderem eben ja Verhütung auch nicht gerne gesehen war es brauchte mehr neue Kinder fürs Volk.

00:03:01: das kennen wir ja irgendwo her die Geschichten.

00:03:04: was aber dann dazu geführt hat dadurch dass die Armut sehr sehr groß ist dass die Kinderheime extremen überlaufen waren und wirklich in sehr schlechtem Zustand waren.

00:03:16: Deine Eltern haben sich dann warum zur Adoption entschieden?

00:03:19: Gute Frage, das habe ich auch nie so richtig rausgefunden.

00:03:23: Also ich hab mal gefragt weil es gibt ja durchaus verschiedene verständliche Gründe dass vielleicht mit der eigenen Reproduktion jetzt nicht klappt oder ähnliches.

00:03:32: Das habe ich nie herausgefunden.

00:03:34: warum genau?

00:03:36: Sie haben zusammen mit vier oder fünf anderen Paaren damals, als sie mein Bruder adoptiert haben.

00:03:43: Kinder aus Rumänien adoptiert.

00:03:44: Es war schon so eine gemeinsame Aktion.

00:03:47: Meine Eltern sind sehr katholisch und ja irgendwie aus der Kirchengemeinde haben sich dann mehrere Paare dazu entschieden, Kinder aus Romänien eben zu holen.

00:03:57: aber eine letztendliche Frage da also eine letztende Antwort auf diese Frage habe ich zum Beispiel nicht

00:04:03: Christian.

00:04:04: Was bedeutet es denn eigentlich so für die Entwicklung der Kinder, wenn sie mit belastenden Vorerfahrungen in eine neue Familie kommen?

00:04:11: Also gerade aus Sonnengebiet wie jetzt da Rumänia und grade nach der Diktatur.

00:04:16: Also ich sag mal aus Verhältnissen wo die Kinderheime nunmal nicht einem Standard wie hier zum Beispiel entsprochen haben sondern dass alles viel desolater war was macht das mit den Kindern?

00:04:28: also

00:04:29: Ich versuche mal von der Neurophysiologie und von dem, was damals wo du ganz klein warst.

00:04:35: Wo du ja doch gar keine Bewusstsein hast.

00:04:37: ich erinnerl gefühlt.

00:04:39: wahrscheinlich das erste wird eher so mit drei dreieinhalberen Erinnerungen gewesen sein schätze ich mal wenn überhaupt

00:04:46: Ja.

00:04:47: aber Was wir als menschen gerade aus neugeborene brauchen ist eine sehr enge intensive konstante Beziehung, ich sage jetzt mal mit etwas älterlichen.

00:05:03: Früher hätte man gesagt mit etwas Mütterlichen nehmen wir das mal ein bisschen globaler mit etwas Älterlichem was aber sehr konstant sein muss.

00:05:11: Wir brauchen als Neugeborene oder als junge Menschen gerade so dieses Gefühl der Nähe der Wärme.

00:05:20: Aber auch wenn wir über die Mimik gehen wie werden wir gespiegelt?

00:05:24: Was passiert da?

00:05:25: Was gibt es für eine Resonanz?

00:05:27: Die erste Freie ist natürlich, wie früh waren deine eigentlichen Eltern?

00:05:32: Deine Erzeuger sozusagen weg.

00:05:34: Und wie früh hattest du eben nicht dieses intensive Gefühl, dass das da ein Spiegel ist, dass da was Gehaltenes ist, was Sicherheit macht und Entwicklung?

00:05:48: Wenn da Themen sind – also ich gehe mal davon aus, das ist etwas bei dir war – ist per se alles was sich in dem Nervensystem entwickelt, verzögert und beeinträchtigt.

00:06:04: Und gerade die ersten eineinhalb Jahre ist das ja eigentlich eine Explosion!

00:06:09: Wir sind ja eigentlich ein Frühgeburt und gerade das Nervenystem braucht Nachreifung und dadurch gehe ich jetzt mal davon aus dass bestimmte Areale im Gehirn eher sich schwer tun Gerade diese Zentren, die Stress machen.

00:06:27: Die Unsicherheit machen wo Stressphamronik kommen.

00:06:30: Die werden eher ausgeprägter sein und diese Teile, die über Sicherheit Entspannung aushalten wahrnehmen abzögern geht.

00:06:41: es sind die die eher wahrscheinlich am Anfang sozusagen sich nicht so schnell gereift haben und dann ist es später schwer dass das eben einfach physiologisch nachkommt.

00:06:52: Und dann kommt auf einmal ein ganz harter Break, dann ist alles ganz anders.

00:06:56: Dann bist du völlig versetzt und natürlich neue Spiegel, neue Beziehungen.

00:07:02: in einer Zeit wo Du mit zweieinhalb Jahren hast Du gesagt, wo ja normalerweise das erste Abnabel losgeht, wo Du ja normalweise um die Potenz ziemlich viel Größen waren hast und mit dieser Sicherheit in die Abnabelung geht und genau in der Zeit haut dann rein dass Du aus der Bahn geschmissen wirst und dann also vielleicht, du nix ein bisschen durchdiskussieren können wir mal physiologisch nachvollziehen dass da eine unglaubliche Unordnung ist.

00:07:41: Eine Sache die völlig aus dem Rhythmus ist und wo es lange braucht ... in irgendeiner Art und Form wieder abgefedert wird.

00:07:53: Du nix die ganze Zeit so?

00:07:54: Also erkennst du da Dinge wieder?

00:07:57: oder würdest du sagen, das kannst du relaten?

00:08:00: Ja definitiv also.

00:08:01: ich bin direkt ins Kinderheim nach der Geburt gekommen... ...also meine Mutter hat mich soweit man das irgendwie nachvollziehen kann im Kinderheim im Krankenhaus direkt liegen gelassen, das heißt es ist jetzt auch kein offizieller Adoptionsprozess erfolgt oder ähnliches.

00:08:17: Dementsprechend ja entwicklungstheoretisch wird da glaube ich einiges losgefeuert sein.

00:08:22: Ich habe auch nicht gesprochen bis ich nach Deutschland gekommen bin weil's auch einfach keinen Bedarf gab zu sprechen Weil mit wem soll man sprechen wenn die ersten Bezugspersonen andere Kinder sind die vielleicht auch gar nicht sprechen hab aber hier in Deutschland sehr schnell sprechen gelernt und Ich musste ein bisschen lachen, weil es ja ganz interessant ist.

00:08:45: Weil ich eben sehr auf dieser trotzdem wie wir das genannt explorativen Seite geblieben bin.

00:08:52: also ich bin nach Deutschland gekommen und es war offensichtlich relativ schwer mit mir eine nahe Bindung oder eine vertrauensvolle Bindung aufzubauen.

00:09:01: Ich habe sehr, sehr früh beschlossen dass ich jetzt auch in den Kindergarten gehe weil mein Bruder ja auch in die Kindergaten geht.

00:09:06: zum Beispiel meine Eltern hatten sich eigentlich überlegt meine Mutter bleibt ein Jahr mit mir zu Hause damit ich in Ruhe und gut ankommen kann.

00:09:13: in Deutschland haben die Rechnungen aber ohne mich gemacht.

00:09:17: ich hab mit der Kindergärtnerin gesprochen und dafür gesorgt das ich auch in Kindergärten gehen kann.

00:09:23: Ich erzähle es aus heutiger Perspektive natürlich so mit einem gewissen Lachen und Grinsen.

00:09:28: Ich habe gut für mich selber gesorgt schon in dem Alter, was natürlich schon traurig genug ist.

00:09:33: Es zeigt aber auf der anderen Seite auch glaube ich alleine dieses Beispiel wie... Schwierig, es war wirklich eine ernsthafte verlässliche Bindung zu mir aufzubauen.

00:09:43: Ich war schon ein Kind das sich sehr viel auf sich selber verlassen hat und kann mich zum Beispiel auch daran erinnern dass ich so mit körperlicher Nähe in dem Alter zum Beispiel fast gar nichts anfangen konnte.

00:09:55: also ich habe viel auf einem Schoß von egal wem gesessen.

00:09:58: aber jetzt alles was so ein bisschen engerer und persönlicher Kontakt war fand ich eher unangenehm und habe mich da auch ein Stückchen weit gegen gewährt.

00:10:09: Was natürlich verständlich ist, weil du hast es eigentlich ja dir abtrainieren müssen die Sehnsüchte, die Wünsche dann kommt eine Unsicherheit und dann ist eine natürliche Reaktion.

00:10:20: Du gehst da lieber in die Defensive.

00:10:23: auf der einen Seite natürlich eine Stärke wenn sie nicht überhand nimmt aber auf der anderen Seite natürlich auch ein großes Werkzeug um auszugleichen, um auszuhalten.

00:10:36: Das ist halt dann da nicht eingelernt worden.

00:10:39: Ja.

00:10:40: Das mit der körperlichen Nähe kann ich nachvollziehen... Wie war das?

00:10:45: Haben deine Adoptiveltern die körperliche Nähe gegeben?

00:10:50: Waren sie liebevoll oder waren die eher auch ... Also ich kenne es zum Beispiel bei mir in der Familie.

00:10:55: Es gab nicht so dieses körperliche oder es gab überhaupt auch nichts so dieses liebevolle, das zieht sich natürlich dann auch spätere Bindung extrem rein.

00:11:04: wie war das da bei euch?

00:11:06: In der Familie?

00:11:08: also meine Eltern haben mit meinem Bruder schon sehr viel körperlichen Ähnlichkeiten auch ausgetauscht vor allem meine Mutter, also ihn mal irgendwie gekrault oder so wenn man auf der Couch saß.

00:11:18: Mit mir hat das nicht stattgefunden kann aber aus heutiger Perspektive nicht mehr sagen, ob das ein.

00:11:25: Wir haben es probiert und ich habe es abgewert.

00:11:29: Und dann hat man irgendwann aufgehört ist zu versuchen oder ob es nie da war.

00:11:33: Das kann ich aus heutigen Perspektiven natürlich nicht mehr reproduzieren.

00:11:37: Aber es ist schon so dass ich auch mich da jetzt nicht groß dran erinnern kann, dass ich das auch irgendwie gesucht hätte.

00:11:46: Auch ein interessantes Thema, weil... Also kommen wir später auch noch mal zu.

00:11:51: Man Sachen so auf sich selber bezieht.

00:11:52: also ich habe jahrelang gedacht ja ist ja kein Wunder dass ich das nicht bekommen haben, weil ich hab' das ja nicht zugelassen.

00:11:58: Also im Sinne von wo man sich selber dann eben in der Position sieht.

00:12:03: Man hört jetzt raus ein bisschen, dass man sich selbst die Schulden daran gibt aber da sind doch einfach auch dann die Eltern verantwortlich zu geben oder nicht?

00:12:14: Naja,

00:12:14: also du hast es ja sehr schön gesagt.

00:12:16: Aufgrund der ersten zweieinhalb Jahre ist da was passiert dass da Blockaten da sind das da kein Fluss in Sachen Nähe.

00:12:26: Da ist der Aufbau einer natürlichen Bindung des war bei dir nicht vorhanden.

00:12:33: Das ist natürlich so.

00:12:34: wenn Du dann als Adoptiv-Eltern kommst eigentlich das von Natur aus hast Und dann über die Zeit immer blockaten Stopper merkst.

00:12:45: Dann sagen wir mal, ist es vielleicht auch zum Teil ein bisschen so natürliche Reaktion, dass sich das auf einem anderen Level nämlich auf einen wo wir sehr weit auseinander sind irgendwo eintunnt und dadurch seid ihr so, das hört sich ein bisschen an durch den Alltag gekommen Du bist in den Kindergarten gegangen, du hast dich da entwickelt und irgendwie gab es ein Bruder.

00:13:12: Und irgendwie hat's ja funktioniert.

00:13:14: nur eine ganz wichtige Quelle unsere entscheidende Quelle dass wir glaube ich über die Zeit unser Leben vernünftig bewältigen nämlich auf deiner Seite nah zu sein auf der anderen Seite aber auch zu halten, wenn gerade keine Nähe ist.

00:13:31: Das Werkzeug ist heute ... Weiß nicht, wirst du dann vielleicht jetzt ein bisschen noch erzählen wie es jetzt ist?

00:13:38: Wie sich's vielleicht verändert hat?

00:13:39: Ja

00:13:41: mittlerweile kann ichs.

00:13:42: Also das ist ganz spannend.

00:13:43: Spannend!

00:13:46: Also natürlich habe gute Gegnungen in meinem Leben gemacht, aber ich sage mal die Vorzeichen auch kommen wir später gleich noch zu waren jetzt nicht so dass ich es hätte lernen können.

00:13:56: Aber irgendwie holt sich da ein... ...innere Teil von mir irgendwie das, was er damals nicht bekommen hat.

00:14:03: Also es klappt jetzt erstaunlich gut!

00:14:05: Ich bin sehr, sehr ausgewählt, was das angeht.

00:14:08: Also ich wäre jetzt so die letzte, die jetzt hier zur Begrüßung mit euch direkt super eng umarmen und hey also... Das kann ich gar nicht haben aber alles... Aber wenn Leute einmal sage mal diese Schwelle übersprungen haben, kann ich's schon zulassen.

00:14:21: Ich finde ihn nämlich super spannend, weil ich kann ja komplett mitgehen.

00:14:24: Weil auch zum Beispiel meine Freunde machen immer einen Witz darüber... ...dass ich es ganz furchtbar finde wenn die mich in nicht umarmen.

00:14:30: Also wenn sie mich so fest den Arm nehmen!

00:14:31: Ich kann das gar nicht haben.

00:14:32: also zur Begrüßung eine kurze Umarmung ist nicht das Problem.

00:14:36: Das ist mit einem Partner Oder was weiß ich, mit einem aktuellen Date oder so.

00:14:41: Ist das etwas ganz anderes?

00:14:43: Da kann ich das zulassen!

00:14:44: Sobald es Freunde machen... Also ich würde selbst von meiner anderen Podcast-Kollegen Elena, wo ich mal auf die Bühne gehe, da hat sie mich richtig festgemacht und die weiß halt ganz genau, dass ich da eine Krise kriege.

00:14:55: Ich kann ja mittlerweile auch drüber lachen.

00:14:57: Das ist nicht das Problem aber ich merke richtig wie ich das von... Und das können wirklich engste Freunde sein, wie ich es sehr schwer zulassen kann

00:15:07: Bei beiden, da ist eine Basis da was Gutes.

00:15:11: Was wir auch brauchen als Naurung auf der anderen Seite fällt ein bisschen auf.

00:15:15: Es gibt nur Null oder Eins Also on or off es gibt nur null oder eins das natürlich für uns energetisch auf Dauer leichter ist wenn's auch die in Betwinge gebt die verschiedenen Grautöne Die Komma stellen dazwischen Wenn´s ein spielerisches hin und her wäre sagen wir energetische für uns leichter, weil sie auch dazwischen mitunter eben was hat.

00:15:41: Ich brauch da etwas für kleine Ausgeglichenheiten.

00:15:45: aber also Poli bei Menschen Extreme sind okay Aber wenn das in Betwinge geht ist es meistens ein bisschen einfacher für uns.

00:15:55: Du hast es eben schon so ein bisschen angesprochen dass das mit deinem Bruder Da gab's diese körperliche Nähe schon mehr vor allen Dingen von deiner Mutter aus.

00:16:03: aber du hast auch schon im Vorgespräch gesagt unterschiedliche Behandlungen von euch als Kindern gab und das hat sich über die Jahre gezeigt.

00:16:14: Wie hatte es sich gezeigt?

00:16:15: Und wie ist dir das bewusst geworden, dass du merkst okay irgendwie ist hier ein Ungleichgewicht?

00:16:20: Mein Bruder ist adoptiert worden mit knapp einem Jahr war aber vorher auch schon in der Pflegefamilie in Rumänien wo meine Eltern ihn hin verbracht haben weil die Zustände da wo er im Kinderheim war wirklich völlig desulat waren um.

00:16:33: meine Eltern kommen aus einem pädagogischen Hintergrund, um es mal so zu nennen und sind auch durchaus selber in der Lage gewesen zu erkennen.

00:16:42: Wenn sie ihn dalassen wird er das im Zweifelsfall einfach nicht überleben weil er sozial so dermaßen vernachlässigt ist.

00:16:48: Das heißt da war schneller Handlungsbedarf damals.

00:16:51: Und dann haben sie ihnen dementsprechend eine Pflegefamilie in Rumänien besorgt, bis sie ihn eben nach Deutschland holen konnten.

00:16:58: Dementsprechend war schon sehr früh bei meinen Eltern das Gefühl da, wir müssen den Jungen irgendwie durchbringen und der schafft das nicht alleine und wir müssen dem ganz viel Unterstützung zukommen lassen.

00:17:10: Er hat auch ein paar Defizite gehabt, ich meine so Entwicklungstechnisch oder ähnliches Und dementsprechend war klar, okay wir müssen uns ganz doll um ihn kümmern.

00:17:23: Ich wiederum bin adoptiert worden unter der Prämisse so bin ich meinen Eltern wohl vorgestellt worden mit dass es Alina das ist unsere Prinzessin die hält hier Hof d.h.

00:17:32: Es war klar Die läuft.

00:17:34: die muss nicht unbedingt in der Art und Weise unterstützt und angeleitet werden sondern im Idealfall zieht sie vielleicht auch noch mein Buda dann in dem Sinne mit dass er es leichter hat.

00:17:47: Das war auch die einzige Argumentation, die meine Eltern mir Jahre später gegeben haben warum sie sich dafür entschieden haben ein zweites Kind zu adoptieren habe ich irgendwann gefragt.

00:17:56: da war die Antwort wir haben gehofft das ist für ihn dann leichter ist.

00:18:01: ja ich hab sehr sehr viele jahre gebraucht um das zu erkennen.

00:18:05: also es ist schon so gewesen dass es von mir schon sehr sehr früh klar war krasse Ungleichbehandlung gibt.

00:18:15: Die wurde aber natürlich seitens meiner Eltern immer negiert, wodurch man als Jugendliche oder auch als Kind ich ja natürlich immer wieder auch gedacht habe, okay dann sehe ich das jetzt falsch abgesehen davon dass eine sehr große Eifersucht meines Bruders da war der ja der festen Überzeugung war er ist derjenige der vernachlässigt wird.

00:18:33: meine Eltern kümmern sich ja ausschließlich um mich alle.

00:18:37: Liebe und Zuneigung hängt ja bei mir.

00:18:39: Ich bin das Lieblingskind.

00:18:41: Das war schon eine sehr intensive Dynamik in die wir rückblickend auch sehr, sehr früh reingekommen sind.

00:18:48: Ja was macht das für Kinder vor allem für Geschwister?

00:18:51: Christian wenn sie unterschiedlich behandelt werden?

00:18:55: Ich könnte jetzt den verschiedenen Rollen sprechen vielleicht als erstes mal aus der des Vaters.

00:19:01: es ist schon unglaublich schwer ich bin ja auch Vater als Eltern fair und verteilungsgerecht zu sein.

00:19:15: Also wer sagt, er behandelt alle seine Kinder gleich.

00:19:17: Ich glaube ich habe noch keinen Kennen gelernt.

00:19:20: Meine Supervisorin hat mir früher mal die Gnade gegeben und hat mir gesagt gebt eben so viel wie ihr braucht und das können abhängig von der Zeit- und von der Lebenssituation dann eben unterschiedliche Dosen sein.

00:19:40: Hier hört sich so ein bisschen an wie wir waren vorhin bei Null und Eins, dass das sehr im extremen abgewandert ist.

00:19:46: Und dass du natürlich auch eins gespürt hast.

00:19:50: Geht es jetzt eigentlich um mich als Mensch oder bin ich jetzt eigentlich eine Funktion?

00:19:55: Wäre dich denn jetzt hier gemocht gehalten integriert weil ich die Alina bin und Mensch bin weil ich funktionieren muss oder weil ich etwas ersetzen muss, also wenn nicht so deinem Emixi was lang nachhalt.

00:20:16: Du hast ja jetzt auch gesagt, dein Bruder da ging es in Eifersucht, jetzt haben wir natürlich auch ein Vorgespräch geführt.

00:20:24: das schwangen dann auch noch weiter um, oder?

00:20:27: Ja!

00:20:27: Das hat sich über die Jahre intensiviert, also ich glaube so bis ich sechs, sieben, acht war das okay.

00:20:34: Dann ging die Grundschule für ihn los und auch für mich.

00:20:37: Dann haben sich die Unterschiede, die sich vorher gezeigt haben umso mehr intensiviert mir vieles sehr leicht in der Schule.

00:20:45: ich habe da wenig Probleme sowohl inhaltlich als auch irgendwie Freundschaften aufzubauen und so was gehabt eher hingegen sehr.

00:20:53: also er hat sich sowohl mit dem Schulstoff sehr schwer getan als auch damit sich in einer Klassengemeinschaft einzufügen da irgendwie soziale Kontakte aufzubauern und ähnlich ist Und damit wurden die Unterschiede, die vorher schon da waren immer klarer.

00:21:11: Ich vermute es ist jetzt natürlich nur eine Vermutung meinerseits sein Gefühl der ich kriege es irgendwie nicht so hin und Da ist vielleicht jemand der eine ähnliche Geschichte hat wie ich und Der fällt das alles so leicht und mir fällt das alle so schwer dass Es unfair was sich dann relativ steigend dazu entwickelt hat, dass wir erst einiges an verbalen Auseinandersetzungen hatten.

00:21:38: Wo er aber relativ schnell auch in dem Alter schon gemerkt hat, das er da ja nicht gegen mich ankommt um es mal sozusagen und dann hat der sich dafür entschieden, dass man ja körperlich werden kann.

00:21:49: also dann ist das übergegangen in wirklich Richtung Umso älter.

00:21:56: er wurde tägliche Gewalt.

00:21:58: Also ich bin durchs Haus geschlichen, weil ich nie wusste in welcher Stimmung er gerade ist.

00:22:05: Es war egal was irgendwie war.

00:22:07: Er hat es an mir ausgelassen und natürlich ein System gefunden um sage ich mal nicht ganz so vor meinen Eltern jetzt direkt face-to-face zu machen.

00:22:18: Aber es war schon einfach auch ein Klima, das eigentlich klar war.

00:22:22: Dass jetzt auch nicht mehr tragbar ist.

00:22:24: also er hat mir unter anderem als ich... Ich glaube, dreizehn oder vierzehn war damit gedroht dass er mich nachts irgendwann umbringen wird und das hat er sehr ernst gemeint.

00:22:33: Also ich habe sehr viele Jahre meines Lebens mit dem Messer unterm Kissen geschlafen weil ich Schiss davor hatte, dass er nachts irgendwie kommt um mich umbringt Weil er mich so hast.

00:22:42: Was haben deine Eltern getan?

00:22:44: Die müssen ja was mitbekommen

00:22:46: haben.

00:22:48: Was kam da?

00:22:49: Wenig bis nichts, also er hat natürlich Ärger bekommen für seine Übergriffe.

00:22:56: Mal musste er sich entschuldigen mal nicht.

00:22:59: das war aber jetzt nicht so als ich jetzt den Eindruck hätte oder gehabt hätte dass es jetzt eine ernst gemeinte Entschuldigung wäre sondern wenn dann war das halt ein um den Familienfrieden jetzt mal wieder herzustellen.

00:23:11: ansonsten Ja, das was irgendwie so bezeichnend ist dass sie vor allen Dingen nach den konkreten Übergriffen sage ich mal in der Regel habe.

00:23:19: Ich mich dann auf mein Zimmer zurückgezogen sich um ihn gekümmert haben.

00:23:22: Sich darum gekümert haben, dass er jetzt wieder runterfährt Dass er aus dieser Spirale rauskommt und sich entspannt.

00:23:34: Also entweder es wurde ignoriert, also ich wurde quasi ignoriert oder es wurden auch runter geredet.

00:23:39: Ich sollte mich jetzt mal nicht so anstellen, so schlimm wäre das ja jetzt auch nicht gewesen.

00:23:44: Das wär ja so... Es ist zum Teil auch übergegangen in Ja aber was hast du denn gemacht?

00:23:48: Wieso provozierst Du ihn?

00:23:51: So weil natürlich habe irgendwann angefangen zu versuchen mich ein Stückchen weit zu wehren und bin dann eben schon wenn er mir böse Sachen gesagt hat Ja auch mal in die aktive Verteidigungsrolle gegangen, was ihn natürlich noch mehr aufgestachelt hat irgendwie sauer zu werden.

00:24:09: Also im Endeffekt habe ich mir natürlich selber da, ich sage mal keinen Gefallen mitgetan.

00:24:12: aber also so in solchen Situationen wurde das dann direkt gegen mich verwendet und gesagt ja okay aber was hast du denn gemacht?

00:24:19: Das war heftig!

00:24:23: Was passiert da dass Eltern... Da nicht einschreiten, dass das im Endeffekt nur dem einen Kind die Aufmerksamkeit gegeben wird.

00:24:32: Und vor allem was macht es dann mit der Person jetzt in ihrem Fall bei Alina?

00:24:38: Vor allen Dingen auch mit Bezug auf ihr späteres Leben wenn solche Erfahrungen stattfinden?

00:24:43: Also vielleicht mir erfällt die zweite Frage ein bisschen leichter.

00:24:47: aber da ist erstens mal für spätere Leben auffällt Du erzählst es jetzt mit einer großen Gefasstheit Mit einer Distanz, mit einer Souveränität.

00:24:59: Du kannst da irgendwie von außen raufblicken.

00:25:05: Siehst was mit dir da gemacht worden ist?

00:25:11: Das finde ich schwer beeindruckend.

00:25:14: Also es ist erstmal sozusagen... Es wirkt jetzt nicht mehr so dass du da innen drin gefangen bist wie damals in dieser Zeit.

00:25:21: wo's Wo es ja so klassisch ist, eigentlich bin ich ja das Opfer.

00:25:27: Ich kann gar nichts dafür und muss mich trotzdem auseinandersetzen weil das auch meine Eltern mir andeuten oder mich konfrontiert damit was hast du gemacht?

00:25:40: Bist du nicht eigentlich mit Täter?

00:25:41: oder bist du da eigentlich ein Täter?

00:25:44: was nicht so ungewöhnlich in so Gewalt ist Konstellationen, die länger andauern.

00:25:51: Spannend wäre natürlich jetzt ist... Wie konntest du dich rausschrauben?

00:25:58: Da

00:25:58: würd ich nämlich auch draufkommen!

00:26:01: Also wie bist Du aus dieser Situation dann rausgekommen?

00:26:04: Du hast es Deine Jugend lang mitgemacht.

00:26:07: Wie ging's

00:26:08: weiter?!

00:26:09: Ich bin mit achtzehn ausgezogen, bin zum Studium ausgezogen.

00:26:14: Hab dann das erste Mal gemerkt so oh wow wie das irgendwie ist in einem sicheren Umfeld zu sein.

00:26:20: also es war schon krass und es ist auch bis heute so dass mein Zuhause sehr sehr wichtiger noch nicht mal Safer, sondern Safe Space ist.

00:26:29: Da bin ich sehr strikt auch wer da reinkommen darf und hab da gemerkt so wow okay krass das Nervensystem fährt irgendwie gerade runter aus heutiger Sicht.

00:26:39: damals habe ich das natürlich nicht verstanden.

00:26:41: Das Ganze hat sich dann eigentlich in der ersten richtigen schweren Depression entladen.

00:26:47: also es war jetzt nicht so dass das der Freiheitsschlag war sondern ab dem Punkt wo so ein bisschen Ruhe eingekehrt ist, bin ich ziemlich gecrashed.

00:26:56: Hab das Studium dann auch nicht mehr geschafft.

00:27:01: Bin eigentlich nicht mehr rausgegangen und habe sehr durchgehangen.

00:27:04: Ich hab das Glück gehabt dass ich einen sehr guten und sehr verlässlichen Freundeskreis schon während der Schulzeit mir aufgebaut habe von dem ja damals auch einige Leute mit mir in derselben Stadt zum Studium waren Und das hat mich gerettet.

00:27:18: Mit denen habe ich sehr, sehr viele Gespräche geführt.

00:27:21: Es hat aber einige Schleifen der... Ich verdränge das und erst errenke das in Party- und Alkohol- und Ähnlichem gebraucht um zu sehen okay das ist was wo ich therapeutisch auch wirklich dran muss.

00:27:37: Und hast du dann in den jungen Jahren schon das erste mal mit Therapie angefangen oder?

00:27:42: Nein

00:27:43: Erst später, ne?

00:27:44: Ich

00:27:44: wollte mit der Therapie anfangen.

00:27:46: Es war ganz spannend.

00:27:47: Ich war in einer therapeutischen Beratungsstelle von der Universität dessen Namen ich jetzt nicht nenne.

00:27:53: Hab der kurz skizziert wie es mir geht und die Antwort war ja du hast aber ja genug soziale Kontakte ist auch alles super!

00:28:02: Und damit war der Weg für mich in die Therapie natürlich nochmal wieder der Schlag.

00:28:07: Nee is nicht so schlimm stelle dich nicht an

00:28:09: Ich gucke direkt in deinen Gesicht, Christian dein Blick hat alles gerade gesagt.

00:28:13: Ja wie denkst du darüber wenn du sowas hörst?

00:28:15: Das ist natürlich jetzt auch noch mal ein paar Jahre wieder zurück aber auch nicht so viele Jahre.

00:28:19: was macht das mit dir als jemand der ja wirklich auch immer gewillt ist den Leuten da zu helfen und ihr natürlich auch als Unternehmen natürlich vielen Menschen hilft.

00:28:28: also ich habe mich kurz gefragt wo sind denn eigentlich die Schutzhelfer?

00:28:33: warum dass irgendwie bei dir doch so, wie du dich jetzt präsentierst.

00:28:38: Warum kannst du jetzt dein Leben leben und dann irgendwie kommst du das Leben?

00:28:43: Also dieses soziale Netz hat es du was sagen wir ein wichtiger Aspekt ist.

00:28:51: auf der anderen Seite hattest du mindestens drei riesig große Risikofaktoren in eine Entwicklung die alle reinhauen.

00:28:59: Die Primärfamilie kennst du gar nicht.

00:29:01: Wo sind meine Wurzeln?

00:29:03: Wer bin ich

00:29:03: eigentlich?".

00:29:05: Dann bist du rausgerissen bei Adoptiveltern, die so gefühlt sicher nur beste Absichten hatten aber dann eben auch irgendwo mitunter nicht weiter wussten weil sie ja auch reingeworfen sind in das.

00:29:21: und dann gab es zusätzlich noch dieses lange Gewaltthema wo du als Opfer da drin hängst und dass dann erst mal ein Crash kommt, wenn vielleicht das Quartison so ein bisschen runtergeht.

00:29:35: Und du gar nicht mehr kannst deine Erschöpfung.

00:29:39: Also es wäre ungewöhnlich gewesen, wenn's jetzt nicht so gewesen wär, dass du danach sagst ich gehe auf Partys lenkt mich ab trink viel Ich muss es irgendwie... Das ist ja auch eine Entspannung Dann kann ichs besser aushalten liegt eben auch auf der Hand Völlig ungewöhnlich in so einer Situation, dass das jemand ohne Unterstützung, ohne Hilfe auch langfristige Hilfe und Begleitung wie auch immer es ist.

00:30:05: Also nehmen wir mal den Begriff Therapie als großes Thema und Werkzeug mit unterschiedlichen Ansätzen.

00:30:13: aber das wäre sehr, sehr unwahrscheinlich bei dem Risiko bei der Risikokonstellation, wo du ... es ist wirklich erstaunlich anscheinend.

00:30:23: Also neben dem sozialen Schutzhelfern muss es ein paar andere Dinge geben haben die richtig gut gelaufen sind.

00:30:30: oder auch von der genetischen Ausstattung dass du jetzt da heute so sitzen kannst?

00:30:35: Ja ich bin auch sehr dankbar.

00:30:39: Wir kommen da ja auch gleich noch mal drauf zu sprechen wie der Weg dahingegangen ist.

00:30:43: Du hattest aber trotz allem was auf vorher mit der Familie war, du hattes weiterhin auch den Kontakt zur Familie.

00:30:49: Ja, ich hab weiter versucht das was ich ja in meiner Jugend dann auch gelernt habe den schönen Schein nach außen aufrecht zu erhalten.

00:30:56: Und ja gerade zu meiner Mutter Das Verhältnis ist eben auch sehr sehr ambivalent geworden wie man es so schön nennt.

00:31:04: also Ich bin sehr eng auf der einen Seite mit ihr gewesen Auf der anderen Seite war da wenig emotional und vor allem keine bedingungslose Anerkennung Liebe ähnliches mich sehr, sehr viele Jahre abgestrampelt um ihren Erwartungen gerecht zu werden und dadurch das meinem Bruder nicht geliefert hat musste ich umso mehr liefern also.

00:31:30: Ich musste gut in der Schule sein, ich musste mich gut ausdrücken können, ich muss gut auf andere wirken weil man ja dieses Kind brauchte mit dem man zeigen konnte hey Wir haben es nicht nur versammelt, sondern wir haben ja diese toll geratene Tochter mit der wir jetzt in der Öffentlichkeit in Anführungsstrichen auch hausieren gehen können als hochgebildete Familie die sich da ja auch zeigt.

00:31:52: Also was man ja immer so denkt ach sowas passiert nur irgendwie in ärmlichen Familien oder ähnliches?

00:31:59: Nein das kann auch gut... Gutes Bildungsbürgertum betreffen, das ist nicht davor geschützt.

00:32:06: Man guckt halt einfach nur hinter die Kulissen wenn man sich dann mal mit den Leuten unterhält.

00:32:13: und dementsprechend habe ich das erst einmal weitergefahren.

00:32:15: Ich hab' einfach jahrelang so getan als ob mehr oder minder nichts war Habt den Kontakt zu meinem Bruder auf ein absolutes Minimum runter gefahren Das aber auch nie offen kommuniziert, sondern immer mehr so.

00:32:29: ach der kommt.

00:32:30: Nee an dem Wochenende kann ich nicht.

00:32:32: Hab das also auch nie offengetraut mich irgendwie anzusprechen und hab das erst mal jahrelang einfach so weitergezogen.

00:32:38: Bist du siebenzwanzig warst?

00:32:41: Ja

00:32:42: Und da gab's eine neue Entwicklung in deinem Leben

00:32:45: oder

00:32:45: keine Neuentwicklung, aber ne Entscheidung

00:32:48: Ja, eine Entscheidung.

00:32:49: Also es ist so gewesen dass ich eigentlich aus in der Perspektive aus heute eigentlich immer schon pansexuell war.

00:33:00: meine erste Beziehung mehr oder minder mit vierzehn mit einer Gleichaltrigen war Wir haben das natürlich damals nicht genannt.

00:33:08: wir waren natürlich nur beste Freundinnen Ich komme aus dem katholischen Haushalter ist das natürlich auch nochmal ein bisschen sensibler gewesen Und ich hab dann jahrelang eigentlich das nie so richtig, sag' ich mal hinterfragt oder was auch immer.

00:33:23: Interessanterweise war Sexualität für mich nie so ein Thema wo ich jetzt viel mit mir selber auseinander gesetzt hätte sondern ja es war irgendwie so wie's war.

00:33:32: und dann kam aber eins zum anderen und ich habe eine sehr nette Frau kennengelernt mit der ich in eine Beziehung gekommen bin und damit war klar okay ich muss mich jetzt outen zu Hause.

00:33:45: Und wie wurde es zu Hause aufgenommen?

00:33:48: Geht so, nicht so schlimm wie ich dachte.

00:33:51: Auf der einen Seite, auf der anderen Seite Freudensprünge sehen wahrscheinlich auch anders aus.

00:33:56: die erste Reaktion meiner Mutter war okay.

00:33:58: das heißt wir können uns Enkelkinder jetzt abschminken.

00:34:02: Das ist so das typische was dann kommt ja

00:34:05: Wo ich dann, ja... Ich habe nicht reinargumentiert.

00:34:08: Aber mir nur gedacht du bist gerade Enkelkindern so nah wie wir es die letzten zwanzig Jahre nicht waren weil jetzt das erste Mal in einer Beziehung bin in der ich mich sicher fühlen würde überhaupt so ein Thema zu durchdenken.

00:34:21: Mein Vater hat es relativ sportlich aufgenommen, er hätte sich ja schon lange auch denken können und es gebe ja auch andere Eltern.

00:34:30: also er hat dann ein befreundetes Paar als Beispiel genommen die das ja auch überlebt haben quasi.

00:34:38: Also das war okay.

00:34:39: ich sage mal man hat sich leidlich damit arrangiert.

00:34:43: Wer gar nicht damit klar kommen war dein Bruder.

00:34:47: Ich habe mich bei ihm wesentlich später erst geoutet.

00:34:49: Ich hab mich bei meinen Eltern so im Sommer ungefähr geoutete, dann ging es auf Weihnachten zu.

00:34:54: der Kontakt war wie gesagt eh sehr reduziert.

00:34:57: ich war dann schon eben in der Heimat um die Weihnachtstage mit der Familie zu verbringen und meine Mutter hat mich dann aber sehr dazu gedrängt dass sich ist ihm auch mitteile das ich jetzt eine Partnerin habe bevor er kommt weil Ihr und ich glaube mir auch klar war, dass seine Reaktion da nicht besonders nett drauf wird.

00:35:20: Und genauso ist es auch gekommen.

00:35:21: er ist total ausgeflippt.

00:35:23: also Er hat mir sehr wüste Beleidigungen geschickt Hat dann versucht meine Eltern anzurufen um sich bei denen wenigstens Rückhalt dafür zu holen was das für eine ja bodenlose Frechheit von mir gerade ist dass Ich meine dass ich das dürfte Nachdem das aber dann auch nicht so richtig gezogen hat, meine Eltern hatten bis dahin ja auch schon Zeit sich damit ein bisschen zu arrangieren und sind nicht auf diesen Zug mit aufgesprungen.

00:35:51: Ist er wieder dazu übergegangen mir sehr böse Nachrichten zu schreiben was ich für eine Schande für Rumänien bin und für alles und überhaupt Und dass er mir das aber jetzt durchgehen lassen würde und wir damit aber für Alles was er bisher angetan hat quitsit.

00:36:10: Und da ist bei mir irgendwas innerlich, weiß gar nicht wie man es nennen soll.

00:36:17: Die Zündschnur gerissen.

00:36:19: Dass du gesagt hast, dass jetzt der Punkt erreicht auch?

00:36:21: Ja.

00:36:22: Bist du Weihnachten noch geblieben?

00:36:24: Nein.

00:36:24: Du bist dann...

00:36:26: Ich habe eine Nacht wachgelegen und nach wie vor Angst vor ihm.

00:36:31: So,

00:36:31: ich wusste halt auch nicht wenn er kommt, wie soll ich's machen?

00:36:35: weil ich kann auch gar nicht über meine Partnerin sprechen.

00:36:38: aber auf der anderen Seite ... weiß ich, sobald ich dieses Thema anspreche bin... ...ich im Zweifelsfall auch sogar in Gefahr vor physischer Gewalt.

00:36:48: Das hat außer mir aber keiner so gesehen und ich habe dann aber irgendwas ist in mir... ...hat sich verändert und ich hab gesagt ne gut dann fahre ich.

00:36:56: Dann schütze ich mich jetzt selber an dieser Stelle und

00:36:59: fare.".

00:37:00: Und das war dann auch der Punkt wo du gesagt hast es vielleicht auch an der Zeit darüber nachzudenken dass man über den Kontakt nachdenken muss?

00:37:10: Nein.

00:37:10: Das noch nicht, ne?

00:37:12: Aber das ist doch auch spannend, dass man sich so viel... aber es ist halt Familie.

00:37:17: oder weil es Familie ist geht man immer weiter diesen Weg mit.

00:37:22: oder wie ist es Christian?

00:37:24: Ja du hast es ja ein bisschen ausgedrückt.

00:37:25: und der sehnliche Wunsch ich wäre einmal richtig gesehen Es ist nichts ambivalentes.

00:37:32: Ich möchte einfach so angenommen werden wie ich bin Und das muss irgendwann mal praktisch der Knoten Plätzen dieser Wünsche ist so unendlich groß, dass du praktisch nicht... Dass du immer wieder anläufst.

00:37:48: Dass es einmal kommt!

00:37:49: Es ist einmal der und das wird doch nichts so ein bisschen.

00:37:53: Das scheint unsere Triebfeder zu sein in solchen Situationen.

00:37:57: Ja ich bin halt mehrere Male danach über mehrere Jahre auch noch.

00:38:01: Das Ganze hat sich dann schon noch ein paar Jahre hingezogen.

00:38:03: Immer wieder mit dem Kopf vor die Wand gerannt ... weil es noch nicht wehgetutgetan hat.

00:38:07: Also immer wieder versucht in Gespräche zu gehen, rauszufinden wie können wir unsere Beziehung zueinander gestalten?

00:38:15: Gibt es eine Mühe an Anerkennung auch für das Leid was mir verursacht wurde?

00:38:22: Es hat auch im Prozess lange gebraucht um überhaupt erst mal zu erkennen.

00:38:28: ja natürlich mein Bruder ist derjenige der die Gewalt ausgeübt hat aber... Die Verantwortung also auch.

00:38:35: Er ist ein Kind und ein Jugendlicher gewesen, die Verantwortung lag bei den Erwachsenen sich um diese Themen zu kümmern.

00:38:42: Und das ist mir zum Beispiel auch erst in der Phase klar geworden dass ein Schutz vor ihm ja hätte durch meine Eltern passieren müssen nicht durch ihn also es ist eine Anspruchshaltung an ihn, der er gar nicht hätte gerecht werden können sondern er ist gefangen in seiner Wut und in seinen Unzulänglichkeiten.

00:39:03: aber Das hat wirklich Jahre gebraucht und viele, viele Gespräche wo ich immer mal wieder das Gefühl hatte okay es ist jetzt vielleicht doch irgendwie so einen Mühe davon angekommen dass man nicht alles so ganz fantastisch damals geregelt hat.

00:39:18: Ich glaube da ist eine Demenz eingesetzt oder so.

00:39:23: Da war dann immer nach zwei Wochen oder

00:39:24: so.

00:39:24: Also wenn ich vielleicht noch einen sagen darf, ich nehme ein bisschen vor natürlich in so einer Situation man sehr im Intellektus solch gründe Vendan und Rechtfertigungen auf der einen und anderen Seite da sind stecken wir natürlich fest.

00:39:39: ich habe gestern zu einer Patientin gesagt dass mir... Ich hab den Dalai Lahn einmal zitiert wobei ich nicht genau weiß ob es der wirklich gesagt hat nämlich Es gibt so das Bild, du kannst praktisch die Holzkohle in der Hand halten.

00:39:54: Wenn sie brennt dann tut die Hand weh und schmerzt natürlich immer und kann nie heilen.

00:40:00: Und zu der Dalai Lama anscheinend, der kann diese Holzkohl und sagt auch, du musst sie heute wegschweißen.

00:40:09: Aber uns fällt es anscheinen so schwer.

00:40:12: Das ist sehr leicht gesagt und wo ich das der Patient gestern gesagt habe, uns fällt sehr schwer das zu machen.

00:40:19: Wir haben dann und warum das jetzt so ist, da können wir lang philosophieren.

00:40:23: Ich habe auch keine Antwort.

00:40:24: Ich kann nur beobachten – auch wieder bei dir, bei mir selber – dass es wohl etwas sehr kompliziertes, sehr schweres ist, mal was Unendlich Langwähriges zu tun.

00:40:39: Wann war dieser Moment?

00:40:41: Also ich glaube, bei dir gab es dann nochmal einen Schritt.

00:40:45: Das war im August vierundzwanzig der auch mit eigentlich auslöser war oder

00:40:52: ja sind dann doch irgendwie die kleinen Dinge dies dann das fast zum überlaufen bringen.

00:40:57: Ich hatte zu der Zeit ein Wasserschaden in meiner Wohnung und Ich habe mir ein bisschen Unterstützung von meinen Eltern.

00:41:04: Einfach erst mal ratgebermäßig gewünscht, die kontaktiert.

00:41:09: meine Eltern haben beide Eigentum man kennt sich also aus als... Vermieterinnen.

00:41:14: Hab da angerufen, hab mit denen gesprochen.

00:41:16: die Antwort war hast du denn mal gegoogelt und musst aus der Wohnung ausziehen was ja jetzt hier in Düsseldorf auch nicht ganz so leicht zu bewerkstelligen ist.

00:41:24: Ist ja ein netter Ratschnack aber wohin?

00:41:28: Genau und damit war bei irgendwie klar okay das ist nichts zu holen.

00:41:31: parallel dazu haben meine Eltern die Wohnung meiner Oma ausgeräumt Und mir in jedem Telefonat, wir haben so ein paar Mal daumen zwei mal die Woche telefoniert.

00:41:43: Damit in den Ohren gelegen dass ich jetzt kommen muss um... ...die Sachen zu helfen zu sortieren und alles und ich immer gesagt habe ja aber ich sitze hier gerade und mir fällt gerade ja buchstäblich die Decke auf dem Kopf weil es tropft von oben.

00:41:58: Da war wenig bis kein Verständnis für, der Druck stieg natürlich.

00:42:01: Ich war ja jetzt quasi de facto obdachlos mehr oder minder, wusste überhaupt nicht mehr irgendwie einen noch aus und dazu haben meine Eltern mir dann Freude strahlend eröffnet als ich zu Besuch war dass sie meinem Bruder jetzt ein Haus gekauft haben weil er mit seiner neuen Partnerin den Kindern die sie mitbringt ... glaub ich schon entstanden war.

00:42:29: Ja, keine passende Wohnung in der Stadt findet... ...in der er wohnt weil die kein Geld dafür haben.

00:42:35: und die einfachste Lösung ist natürlich dann das man ein Haus kauft was ja erst mal auch aufgrund des Erbes nicht weil ich darauf jetzt interessiert wäre.

00:42:45: also nicht falsch verstehen aber wenn meine Eltern irgendwann sterben haben wir einen Haus wo er drin wohnt mit dem ich mich auseinander setzen muss und damit ... dazu gezwungen bin, mit ihm irgendwie eine Lösung zu finden.

00:42:58: Und abgesehen davon also man mir noch nicht mal das Minimoman-Unterstützung zukommen lassen kann... ...zu sagen ey komm such dir ein Airbnb wir zahlen dir das jetzt erst einmal zwei Wochen damit du erstmal runterkommen kannst oder irgendwas.

00:43:13: und ich einfach gemerkt habe so es ging einfach gar nichts mehr.

00:43:16: Also ich war sowieso ab dem Punkt ne?

00:43:19: Ich hab eine.

00:43:20: Also es gab eigentlich gar keine nicht-depressive Episode mehr seit diesem Weihnachten.

00:43:25: Ich hab ein Hörsturz gehabt, ich habe in der Zwischenzeit meine Partnerschaft aufgrund der Depressionen verloren.

00:43:32: also mir ging's richtig, richtig scheiße und es kam immer nur noch mal einer oben drauf und einer oben darauf.

00:43:38: und dann war da irgendwie der Punkt wo ich so gemerkt hab, ich muss da jetzt einen Cut setzen!

00:43:43: Ich muss mich um mich selber kümmern, ich hatte dann zum Glück eine VG in Aussicht Es reicht.

00:43:49: Ich kann nicht mehr, es ist alles zu viel.

00:43:51: ich bin krankgeschrieben worden zu der Zeit weil auch Klawe auch arbeiten wird nicht mehr funktionieren und habe gesagt ich muss irgendwie alles an.

00:43:59: Faktoren die ich lösen kann müssen jetzt abgeschaltet werden.

00:44:04: Und damit war für mich klar so, ich muss jetzt zumindest erst mal den Kontakt

00:44:08: unterbrechen.".

00:44:10: Wir haben dann ein letztes Telefonat gehabt wo meine Mutter auch ja sehr betroffen darüber war dass wir ja so den Kontakt zueinander verloren hätten und sie das ja gar nicht verstehen könnte.

00:44:19: Ich würde überhaupt nichts mehr aus meinem Leben erzählen und überhaupt und wir uns dann darauf hin aber ziemlich in die Wolle bekommen haben und das war für

00:44:32: Du bist dann auch in die Klinik gegangen, ne?

00:44:34: Genau.

00:44:35: Für ein paar Monate

00:44:36: Ja ich... mir ging's zu der Zeit dann eben sehr schlecht.

00:44:39: Ich war eine therapeutischer Behandlung.

00:44:42: Es war aber auch ja, ne Ich sag mal mehr Stabilisierungen Irgendwie mich sage ich mal am Leben halten als jetzt irgendwie dass man da jetzt therapeutisch hätte viel lösen können.

00:44:53: Und mein Therapeut damals hat den Vorschlag gemacht ob ich nicht mal über Tagesklinik nachgedacht habe.

00:44:59: und dann hab' ich mich in der Psychosomatik vorgestellt.

00:45:03: und die haben sich meine Geschichte angehört, haben erst mal über den bisherigen Diagnoseverlauf sich auch etwas gewundert.

00:45:11: Weil bis dahin es nur eine leichte bis mittelgradige Depression war und haben gesagt sie können gerne kommen aber wenn Sie kommen dann müssen Sie stationär kommen.

00:45:21: Tagesklinik ist mit dem Ausmaß was Sie mitbringen nicht diskutabel.

00:45:26: also sowohl was ... mich und meinen Zustand an ging als auch die Geschichte war klar so, nee.

00:45:32: Du musst hier bitte auch drei Monate einziehen.

00:45:36: Psychosomatik ich weiß nicht wie das bei euch in der Klinik ist es ja noch mal ein bisschen anders gelagert... Es ist eine tiefenpsychologische Klinique, die sehr sehr lang dementsprechend die drei Monate da als Standardbehandlungszeit.

00:45:50: Da habe ich dann einen Jahr noch drauf gewartet.

00:45:54: Oder würdest du aussagen, bei der Geschichte ist das genau das Richtige?

00:45:58: Dass man dann wirklich auch mal so komplett rauskommt.

00:46:00: Dass man so ein Klinikoffenheit hat... Also ich kann aus meiner Erfahrung ja nur sagen es war das Beste was mir hier passiert ist dass ich damals... Ich war nicht so lange, ich war für fünf Wochen stationär aber das hat halt viel viel bewirkt eigentlich aufs Leben bezogen und auf die Zeit danach auch bezüglich.

00:46:17: Das ist schon krass was so eine Phase oder so einen Zeitraum mit einem machen kann.

00:46:25: Ich glaube, mir steht es an der Stelle nicht zu des Zuwerten.

00:46:28: Es gibt ein paar verschiedene Wege die wir hier in Deutschland haben, wo du das beschrieben hast... Auch in der G-Stick, du hattest jetzt gerade eine ganz andere G-Steak.

00:46:40: Da war viel Druck noch drin auch zum Teil der Ärger und der Wut dem wir ja auch brauchen in so einer Situation.

00:46:47: Und schaff mal das ja gar nicht auch diese Grenze zu halten.

00:46:50: Das ist ja auch Schmerz, das tut ja weh!

00:46:52: Du warst da über dreißig Jahre rein verboben und bist es ja irgendwie immer noch... Und ich muss aber die Grenze ziehen, die ich brauche und in der Grenzziehung es zu einem Abstand gebraucht.

00:47:04: Wenn du das Gefühl hast, dass war zu der Zeit richtig dann ist es gut.

00:47:12: Das Problem in Deutschland ist so wie wir strukturiert sind ... Nach dem Stationären muss es ja weitergehen und wir sind nicht so professionell in den Übergang gängen.

00:47:21: Wie geht's dann weiter?

00:47:22: Irgendwie müssen wir unser Leben leben, was brauchen wir denn und wie kannst du Schritt für Schritt?

00:47:28: natürlich wäre der nächste Schritt gut Tagesklinik ambulant Behandlung wie.

00:47:32: aber wie geht das?

00:47:33: und dann gibt es oft Limitationen oder der Platz ist nicht da weil auch den Platz hattest Du ja einen Jahr später erst.

00:47:41: und Was machst in dem Jahr?

00:47:43: Wie hängst du in dem Vakuum?

00:47:44: Wie kommst du damit zurecht?

00:47:46: Und machen wir uns nichts vor, das wird ja jetzt auch nicht einfacher.

00:47:49: In unserer Situation hier in Deutschland auch wie sich Dinge entwickeln.

00:47:52: aber ich muss da auch gerade, wie Du das gerade sagst dieses... Wir sind schlechteren dann von diesem stationären... Da muss ich auch an unsere Folge denken wo wir über den Krebs gesprochen haben.

00:48:00: Das ist ja auch so.

00:48:01: also jetzt mal weg von einer psychischen Krankheit Auch wenn Du aus einer schweren körperlichen Krankheit kommst Du wirst aus der Klinik entlassen weil wir hatten einen Gast Da ging es um Brustkrebs ... wir wurden nach der Behandlung aus der Klinik entlassen, und dann stehst du da.

00:48:17: Und musst selber erst mal damit parat

00:48:19: kommen.".

00:48:20: Da hatte ich damals zum Beispiel mit der Kline großes Glück... dass ich relativ schnell auch in eine weitere Therapie reingegangen bin,... wo ich dann halt einfach ambulant meine Therapie hatte, weil diese Versorgung da war.

00:48:32: Aber genau das ist ja der Punkt!

00:48:33: Das ist eben keine Selbstverständlichkeit, dass du eben genau diese Behandlungen so schnell bekommst.

00:48:38: Also wenn wir es jetzt nochmal unseren Hörern empfehlen?

00:48:41: Wer meine Empfehlung, wenn ich schon die Entscheidung habe oder das Angebot es gibt war stationäre so früh alles möglich mit den Leuten dort vor zu gucken.

00:48:53: Stationär so kurz als möglich und immer gucken wie geht dann der Weg weiter abgestuft?

00:48:59: Und dass sich Also das Leben ist was langfristiges und auch solche Stress- und Drucksituationen singen, was langfristig ist.

00:49:08: Also muss ich auch langfristig planen und ich kann es eben nicht im Stadt zu nähern.

00:49:15: Ich muss jetzt schauen wie kann ich mein Leben integrieren?

00:49:19: Irgendwie muss dann wieder eine Wohnung hier, es muss einen Platz mehr.

00:49:25: Es muss ein Arbeitgeber her.

00:49:26: Es ist vielleicht wichtig, dass ich dann auch wieder Sozialisation habe, das sich ein normaleres Leben führen

00:49:32: kann.".

00:49:33: Ja dazu vielleicht gerne auch noch ein paar Sätze.

00:49:36: Also ich hab sehr, sehr großes Glück gehabt weil ich kurz vor dem Antritt des Klinikaufenthalts einen Traumotherapeuten gefunden habe was ja mehr als dem Sechser im Lotto gleich kommt und trotz klinischer Bescheinigung, ärztlicher Bescheidigung und ähnliches einen sehr großen Kampf gegen die Krankenkasse geführt um das Kostenübernahmeverfahren durchzubekommen.

00:50:03: Weil der Herr hat natürlich keinen Kassensitz in Deutschland, die gibt es ja nicht so oft.

00:50:08: Und also Ja ich kann da irgendwie auch glaube ich nur jedem raten wenn man selber die Energie nicht hat Man muss sich da Hilfe holen weil man man schafft das gar nicht selber diese Masse an Papierkram und Widersprüchen.

00:50:23: Und ärztlichen Gutachten, ja Sitzfleisch dass man da einfach beweisen muss in einer Phase wo man selber sowieso gerade voll am Boden liegt.

00:50:35: Das ist einfach ein Wahnsinn!

00:50:38: Definitiv.

00:50:39: also das glaube ich können wir alle so unterschreiben dass es ein Wahnsin ist.

00:50:44: bei uns hier im Land.

00:50:47: Man hat, wie Christian das auch schon aufgefallen ist.

00:50:49: Mir ist es eben auch aufgefallen die Emotionen sind noch mal ganz andere als wenn du jetzt über die Zeit früher sprichst.

00:50:55: Was ist aber für dich was jetzt wo du so lebst?

00:50:58: Du hast weiterhin keinen Kontakt zur Familie.

00:51:01: Es gab seitens deiner Familie hast du mir erzählt.

00:51:04: Vorher gab es nochmal Versuche durch Briefe wo du aber auch einfach sagst ne Was überwiegt heute?

00:51:11: Ist es Erleichterung, ist es Trauer, ist immer noch Wut.

00:51:16: Also was würdest du sagen?

00:51:20: Also ich glaube das wechselt sehr schnell und sehr viel.

00:51:24: Es ist eine Mischung aus allem.

00:51:28: Es braucht oder braucht vielleicht immer noch auch diese Phase der Wut muss ich sagen.

00:51:34: also da bin ... schon therapeutisch noch nicht so weit in Anfang Strichen, wenn man das dann irgendwann sein will.

00:51:41: Das es mir egal wäre also da bin ich noch lange nicht wie man eben gemerkt hat.

00:51:45: Es nimmt mich schon durchaus noch sehr mit aber ey immerhin... Ich bin wütend dass ist schon mal voll gut weil jetzt habe ich die Möglichkeit eben zu sagen So nee!

00:51:53: Ich mache mein Leben selber und es ist ehrlich gesagt auch ein bisschen stolz.

00:52:00: Also weil ich schon Also es ist, wenn ich mir meine Geschichte sage mal durchlese in Anführungsstrichen.

00:52:08: Es fühlt sich noch nicht so ganz zu mir zugehörig an weswegen es auch leichter für mich ist bestimmte Sachen zu erzählen weil ich ganz gut da drin bin das ein bisschen vor mir abzukapseln.

00:52:18: aber so ich einfach merke boah ja es lohnt sich es lohnen sich zu kämpfen und auch wenn selbst die Leute die dir eigentlich den Kampf erleichtern sollten im Leben generell.

00:52:32: Ich mein, Leben ist für niemanden leicht.

00:52:35: Selbst wenn die, die dessen Aufgabe es am ehesten gewesen wäre einen zu schützen, einen zu unterstützen das nicht machen habe ich trotzdem das Recht dazu und kann mich das trotzdem machen.

00:52:46: Bin da sehr dankbar für ihn aber auch sehr stolz auf mich drüber.

00:52:50: Wenn ich noch eines sagen darf was wirklich sehr schön ist also erstens dass du das jetzt so ausdrücken kannst den Stolz aber auch Du brauchst mit der Wut, dass du das aushältst.

00:53:02: und eines fällt noch mal auf.

00:53:04: Also du hast einen Satz gesagt vielleicht ich bin noch nicht so weit, dass es dir egal ist.

00:53:09: Ich glaube das Ziel des Egal sein, das glaube ich ist vielleicht ein überfordertes Ziel sondern... Wenn wir das Ziel eher so verstehen, du spürst jetzt mit Unterbrauchst du die Abkapselung noch.

00:53:24: Das heißt ich habe es noch nicht integriert was auch okay ist.

00:53:28: aber wenn über die Zeit und du bist ja noch eine junge Frau über die zeit des Abkapseln ein bisschen weniger wird und dann spürts natürlich ist es mir nicht egal Aber ich krieg das ausgehalten auch mit weniger abkapselen

00:53:41: Dann

00:53:43: wäre das so einen Entwicklungsfaktor wo ich die Hypothese habe, dass das noch mal positiv einzahlt.

00:53:50: und aber so wie sich das... also wir sind ja jetzt schon langsam Profis hier im Podcast

00:53:56: oder?

00:53:56: Es ist es glaube ich auch.

00:53:59: Ich hab das Gefühl du mit der Geschichte kannst du uns allen gut machen

00:54:05: auch.

00:54:05: Ja danke!

00:54:06: Also ich finde das ist auch kein Ziel was man haben sollte.

00:54:11: Also ich hab mich ja viel dann auch mit dem Thema beschäftigt und man kommt immer wieder auf Leute, die einem sagen oh gerade wenn es so nahe Familie ist muss man irgendwann in die Vergebung kommen.

00:54:20: Und sagen hey das ist jetzt nicht so persönlich gemeint gewesen.

00:54:26: aber also Ich sag mal, auf einer kognitiven Ebene kann ich das auch.

00:54:30: Also mir ist klar dass das nichts persönlich gegen mich jetzt vonseiten meiner Eltern oder so war.

00:54:37: aber auf der anderen Seite ich habe ja jedes Recht dazu auch den Rest meines Lebens darüber traurig und sauer zu sein.

00:54:43: Das ist sowas was für mich irgendwie auch sehr lange gedauert hat und was ich eben gerne zeigen will.

00:54:50: Man muss nicht in diesen vermeintlich letzten Schritt der allumfassenden Vergebung kommen, um irgendwie sein Leben weiterzuleben.

00:54:58: Ganz und gar nicht!

00:54:59: Sondern es ist auch völlig okay einfach erstmal durch alle möglichen Gefühle durchzugehen...

00:55:06: Das wäre nämlich jetzt auch so, also für mich wäre noch mal interessant gewesen was du Menschen nochmal mitgeben möchtest letztendlich die sich in ähnlichen Situationen befinden.

00:55:14: Aber eigentlich hast du es ja schon vorweggenommen.

00:55:16: Nein gar nicht!

00:55:17: Gar kein Sorry sondern das finde ich ja ganz schön wenn es von ganz alleine kommt.

00:55:22: gibt es noch irgendwas was du abschließend noch sagen möchtes?

00:55:28: Das waren auch gute Worte Christian.

00:55:31: Für dich noch eine Abschlussfrage wie lässt sich denn mit dem Verlust einer Familienbeziehung umgehen, wenn er gleichzeitig trotzdem auch eine Befreiung ist es sich aber nicht so anfühlt.

00:55:43: Also hast du da ne Antwort als der Fachmann?

00:55:47: Ich glaube das sagen wir euch.

00:55:49: ich tue mich jetzt mal politisch rausreden.

00:55:52: Ich glaube es gibt keine einfache Lösung.

00:55:55: Es gibt für jeden persönlich die Lösungen und die muss ich jeder... Die müssen wir uns erarbeiten mit auch Rückschlägen und Fehlern und Umwegen.

00:56:10: Eines, was wir jetzt wieder gehört haben ist, dass es manche Dinge überfordert sind – ZB dieses Vergebungsthemen.

00:56:21: Da wäre ich nochmal sehr bei dir.

00:56:24: Es gibt Dinge, die sind unvergickbar!

00:56:29: Und die große Gnade ist es mitunter eben auch nicht, sondern die Akzeptanz dass es die eben nicht gibt.

00:56:36: Da kann ich auch eigentlich so mit reingehen.

00:56:38: also jetzt wir haben ja auch schon mal drüber gesprochen das bei mir viele Sachen passiert sind Manche Sachen vergeben und bei manchen Sachen, ich hab zwar den Kontakt zu meinem Vater aber sag ihm auch ganz klar das werde ich niemals vergeben.

00:56:51: Und das kann er mittlerweile auch akzeptieren?

00:56:56: Aber es war ein langer Weg und ich hatte auch keinen Kontakt längere Zeit.

00:57:00: Man weiß nicht was noch mal passiert, was kommt... ...aber wichtig ist einfach nochmal zu sagen Familie bedeutet am Ende nicht immer nur automatisch Schutz Definitiv nicht.

00:57:11: Ungleiche Behandlung von Geschwistern, Hinterlässspuren bis hin ins Erwachsenenleben und ein Kontaktabbruch ist oftmals auch einfach ein Akt der Selbstfürsorge und des Schutzes.

00:57:22: und keinen Scheitern und Grenzen gegenüber der eigenen Familie zu setzen – ist erlaubt!

00:57:27: Und deswegen mein Abschlusssatz für heute ist Auch die eigene Familie darf zu viel sein und das zu erkennen ist kein Verrat sondern Selbstschutz.

00:57:39: Und damit vielen Dank, dass du deine Geschichte mit uns geteilt hast.

00:57:43: Ja, gerne!

00:57:44: Du kannst definitiv stolz auf dich sein.

00:57:47: Man merkt einfach auch wie sehr du schon viel auch dich mit allem auseinandergesetzt hast... ...wieviel du auch schon verarbeitet hast von einer so großen Geschichte.

00:57:57: was man einfach auch sagen muss.

00:57:59: und deswegen vielen dank das du die Geschichte mit usm geteilten hast.

00:58:02: Danke euch für eure Zeit!

00:58:04: Danke!

00:58:05: Und danke Christian, dass sie dabei warst.

00:58:06: Danke

00:58:06: Alina

00:58:07: Bis zum nächsten Mal und wir freuen uns natürlich auch, wenn es euch gefallen hat.

00:58:12: Wenn ihr das Ganze bewertet – natürlich mit fünf Sternen!

00:58:15: Und uns die Abo Glocke drückt damit ihr auch keine Folge mehr verpasst.

00:58:19: Uns auch folgt und in diesem Sinne sage ich bis zum nächsten mal Anlaufstellen und Hilfsangebote rund um das Thema seelische Gesundheit findet ihr natürlich in den Show-Notes.

00:58:30: Und wenn es Euch gefallen hat dann lasst doch gerne mit der Bewertung da oder drückt die Apo GlocKE, dann verpasste ihr keine Folge

00:58:40: Zu viel.

00:58:41: der Mental Health Podcast wurde dir präsentiert von Valéara.

00:58:48: Posted

00:58:49: by Last Hands Feuerborn Simone Hoffmann und Dr.

00:58:52: Christian Utler.

00:58:54: Produktion Last Hands Feuerborn.

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